Indische Gastfreundschaft

18. April 2014

Am Nachmittag erreichten Roy, mein bisheriger Reisebegleiter, und ich Kochi. Am vereinbarten Treffpunkt wartete bereits Sunil, ein indischer Bekannter, auf mich. Die Begrüßung war herzlich – obwohl wir uns bislang nur über das Internet kannten, stellte sich sofort ein Gefühl von Vertraut-heit ein.

Sunil hatte ich einige Zeit zuvor über die inzwischen nicht mehr existierende Reiseplattform WAYN kennengelernt, so wie auch meinen vorherigen Gastgeber in Nepal. Wir hatten mehrfach miteinander korrespondiert, und aus diesem Austausch entstand schließlich die Idee, im Anschluss an meine Nepalreise auch nach Indien zu reisen.

Christoph, ein enger Freund von Sunil, der für eine Reiseagentur tätig war, hatte in Sunil`s Auftrag eine zweiwöchige Rundreise für mich organisiert und dafür gesorgt, dass meine Route mich auch nach Kochi führte – genauer gesagt in den Vorort, in dem Sunil und seine Frau lebten.

Eigentlich hatte ich nur zwei oder drei Tage für diesen Besuch eingeplant. Doch inzwischen hatte ich mir eine Erkältung zugezogen und fühlte mich nicht fit genug, so bald schon weiterzureisen. Sunils Frau Lata bestand darauf, dass ich mich zunächst vollständig auskurieren solle, und lud mich ein, noch einige Tage länger zu bleiben.

So bekam ich die Gelegenheit, eine indische Familie wirklich näherzulernen. Lata umsorgte mich mit großer Fürsorge: Sie steckte mich ins Bett, versorgte mich mit ayurvedischer Medizin und köstlichem Essen und erzählte mir dabei aus ihrem Leben. Sie war kinderlos geblieben – etwas, das in der indischen Gesellschaft noch immer beinahe als Tragödie empfunden werden kann. Doch Lata hatte das Glück, einen liebevollen Ehemann und eine verständnisvolle Familie an ihrer Seite zu haben.


Was ich bei Lata erlebte, ließ mich über einen Unterschied nachdenken, der mir auf Reisen immer wieder auffällt: den zwischen asiatischer und europäischer Gastfreundschaft – und vor allem die Rolle, die das Essen dabei spielt.

In Indien gelten Gäste als „Götter” – sie werden großzügig mit Speisen, Getränken und kleinen Aufmerksamkeiten bedacht. Dieser Gedanke ist keine bloße Redensart, sondern in der alten indischen Überlieferung der Manu Smriti verankert, die den Gast ausdrücklich als göttlich bezeichnet: „Atithi Deva Bhavaha” – dein Gast ist Gott. Wer einen Gast bewirtet, tut es demnach nicht aus gesellschaftlicher Pflicht, sondern aus einer tief verwurzelten spirituellen Haltung heraus.

Besonders berührt hat mich dabei, dass diese Großzügigkeit nicht an materielle Verhältnisse geknüpft ist. Im Osten findet ein Reisender, arm oder reich, immer einen Gastgeber, der ihn willkommen heißt und bewirtet – selbst wenn es bedeutet, das Letzte zu teilen, was man hat. Das Essen selbst ist dabei weit mehr als Nahrung: Ein gemeinsames Mahl – oft auf dem Boden sitzend – ist Zeichen von Wertschätzung und Erlebnis für alle Sinne. Die Küche ist ein Spiegel regionaler Kulturen, klimatischer Besonderheiten und einer jahrtausendealten Tradition, die bis heute das Alltagsleben prägt.

In Europa ist das anders. Einladungen zum Essen sind meist geplant, terminlich abgestimmt, oft mit einer gewissen Förmlichkeit verbunden. Man überlegt, ob man jemanden „zur Last fällt”, ob der Zeitpunkt passt, ob das Angebot auch wirklich ernst gemeint ist. Wer als Inder in Deutschland lebt, erlebt diesen Unterschied oft deutlich: Eine Einladung, die in Indien selbstverständlich und von Herzen kommt, bleibt in Europa häufig aus. Das bedeutet nicht, dass Europäer weniger herzlich wären – aber die Gastfreundschaft drückt sich hier auf andere, zurückhaltendere Weise aus.

Bei Lata spürte ich nichts von dieser Zurückhaltung. Sie kochte, ohne zu fragen, ob ich hungrig war. Sie füllte meinen Teller nach, ohne zu warten, dass ich bat. Und in diesem scheinbar kleinen Akt – einem Teller Essen, hingegeben ohne Zögern – steckte mehr Wärme als in manchem langen Gespräch.


Bereits nach zwei Tagen fühlte ich mich deutlich besser. Als Lata vorschlug, gemeinsam mit ihr in die Innenstadt von Kochi zu fahren, sagte ich daher gern zu. Dort lebte der Freund von Sunil, der meine Rundreise organisiert hatte. Er hatte uns eingeladen, weil er mich persönlich kennenlernen wollte – und auch bei ihm wurde ich mit einer Herzlichkeit empfangen, die mich tief beeindruckte.

Am folgenden Tag stand die Verlobung einer Cousine von Lata bevor, zu der ich ebenfalls eingeladen war. Wie es in der noch immer recht konservativ geprägten indischen Gesellschaft üblich ist, wurde erwartet, dass die Gäste dem Anlass entsprechend gekleidet erschienen. Lata organisierte mir daher von ihrer Schwiegermutter leihweise einen wunderschönen Sari, sodass ich perfekt für die Feier ausgestattet war. Ich hatte den Eindruck – ob zu Recht oder nicht –, dass es für die Familie etwas Besonderes bedeutete, einen europäischen Gast in ihrer Mitte zu haben.

Ursprünglich hatte ich geplant, nach dem kurzen Aufenthalt noch einige entspannte Tage an den Stränden Sri Lankas zu verbringen. Doch zwischen Lata und mir war echte Freundschaft entstanden, und so nahm ich ihren Vorschlag gerne an, noch ein paar Tage länger zu bleiben.

Viele Jahre sind seitdem vergangen – und doch ist aus der damaligen Begegnung eine Freundschaft geworden, die bis heute hält. Von Anfang an verband uns etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt: eine innere Nähe, die stärker war als alle kulturellen Unterschiede zwischen uns.


Kochi – die Königin des Arabischen Meeres

Kochi, das früher auch unter dem Namen Cochin bekannt war, ist eine der faszinierendsten Hafenstädte Südindiens – und eine, die ihre Geschichte nicht verbirgt, sondern sie offen zur Schau trägt. Über sechshundert Jahre lang haben hier chinesische, arabische, portugiesische, niederländische und britische Seefahrer ihre Spuren hinterlassen, und das Ergebnis ist ein Stadtbild von außergewöhnlicher kultureller Tiefe.

Seinen Aufstieg als bedeutende Hafenstadt verdankt Kochi einer Flutkatastrophe im Jahr 1341, die den bis dahin wichtigsten Hafen der Region zerstörte und ein neues Hafenbecken entstehen ließ. Was als Naturkatastrophe begann, wurde zum Ausgangspunkt für eine Stadtgeschichte voller Wandel und fremder Einflüsse. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Kochi nacheinander von Portugiesen, Holländern und Briten kolonisiert – jede dieser Mächte hinterließ bauliche und kulturelle Zeugnisse, die bis heute das Stadtbild prägen.

Das vielleicht eindrucksvollste davon ist die Franziskanerkirche aus dem Jahr 1503, die älteste von Europäern erbaute Kirche in ganz Indien. Sie ist auch die frühere Grabstätte von Vasco da Gama, dem ersten Europäer, der Indien auf dem Seeweg erreichte. Wer durch den Stadtteil Fort Kochi spaziert, fühlt sich mitunter in eine andere Zeit versetzt: Kolonialgebäude säumen die Gassen, viele davon inzwischen in Boutique-Hotels umgewandelt, doch der Charme der alten Handelsstadt ist noch spürbar.

Ebenso ikonisch wie die Kirchturmspitzen sind die chinesischen Fischernetze, die seit dem 14. Jahrhundert an der Küste stehen und zu den bekanntesten Wahrzeichen Keralas zählen. Sie sind nicht nur touristische Dekoration, sondern tatsächlich in Betrieb – mehrere Männer sind nötig, um sie zu bedienen. Besonders am Abend, wenn das Licht über dem Arabischen Meer weich wird, entfalten sie eine fast unwirkliche Schönheit.

Durch die frühere Bedeutung als Drehkreuz des Gewürzhandels haben sich im Laufe der Zeit Kulturen und Religionen bunt gemischt – und so findet man in Kochi Tempel, Kirchen, Moscheen und eine der ältesten jüdischen Gemeinden Indiens in unmittelbarer Nachbarschaft. Obwohl die hinduistische Bevölkerung den Großteil der Einwohner ausmacht, gibt es daneben große christliche, jüdische und muslimische Gemeinden. Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Jahrhunderten offener Handelswege.

Kochi ist heute eine lebendige Großstadt, die Tradition und Moderne auf eigenwillige Weise verbindet. Wer einmal durch die Gassen von Fort Kochi geschlendert ist, über den Gewürzmarkt in Jew Town gegangen ist und abends dem Rauschen des Meeres gelauscht hat, versteht, warum die Stadt seit alters her Menschen aus aller Welt anzieht – und warum sie einen so schnell nicht mehr loslässt.


Periyar – Wo der Dschungel auf das stille Wasser trifft

16. April 2014

Mit dem Auto waren es etwa zwanzig Minuten zum National Park, wo ich die Möglichkeit hatte, an einer Bootsfahrt auf dem Mullaperiyar See teilzunehmen. Es war noch recht früh und die Sicht aufgrund von starkem Nebel anfangs eingeschränkt, die sich aber allmählich verbesserte.

Der Periyar Nationalpark zählt zu Keralas eindrucksvollsten Naturwundern. Im Herzen der Western Ghats gelegen, umschmiegt ein künstlicher Stausee das dichte Grün des Regenwaldes und schafft eine Kulisse, die kaum zu übertreffen ist. Auf unserer Bootsfahrt über den Periyar-See liessen sich zwar keine Elefanten blicken aber dafür Büffel, Wildschweine und unzählige Vogelarten konnte man während der Fahrt beobachten.

Für den Nachmittag stand zunächst der Besuch eines Elefantencamps auf dem Programm, gefolgt von einer Aufführung im Thekkady Kathakali Centre, die den Abschluss des offiziellen Programms in Indien endete.

Kerala ist nicht nur berühmt für seine traumhaften Strände, die weit verzweigten Backwaters, duftenden Gewürzmärkte und zahlreichen Ayurveda-Zentren, sondern auch für seine traditionsreichen Kulturformen wie Kathakali – ein faszinierendes indisches Tanzdrama – sowie Kalaripayattu, eine der ältesten Kampfkunstformen Indiens.

Die über 300 Jahre alte klassische Tanzkunst Kathakali aus Kerala vereint Elemente von Ballett, Oper, Maskenspiel und Pantomime zu einer einzigartigen Ausdrucksform. Erzählt werden große Geschichten aus Mythologie und Vergangenheit. Glauben, Drama, Tanz, Musik und prachtvolle Kostüme verschmelzen dabei zu einem beinahe „göttlichen“ Erlebnis für jene, die sich auf diese Kunstform einlassen. Besonders beeindruckend sind die vielen feinen Details der Darstellung: Jedes Zittern der Lippen, jedes Blinzeln der Augen und selbst die kleinste Fingerbewegung besitzt eine eigene Bedeutung. Musikalisch werden Kathakali-Aufführungen meist von rhythmischen Trommeln begleitet, die die eindrucksvolle Atmosphäre zusätzlich verstärken.

. Die aufwendig geschminkten Gesichter, die prächtigen Kostüme, die langsamen Bewegungsabläufe sowie die intensive Trommelmusik können auf ungeübte Zuschauer zunächst ungewohnt wirken. Gerade diese Andersartigkeit macht jedoch den besonderen Reiz des Kathakali aus und eröffnet einen faszinierenden Einblick in die kulturellen und spirituellen Traditionen Südindiens.

Für europäische Besucher wirkt diese traditionelle Tanzkunst allerdings zunächst oft etwas fremdartig oder sogar eigenwillig. Anders als im westlichen Theater stehen beim Kathakali nicht gesprochene Dialoge oder realistische Bewegungen im Vordergrund, sondern stark stilisierte Gesten, ausdrucksstarke Mimik und symbolhafte Darstellungen

Meine Rundreise in Indien endete damit zwar, aber nun begann der “inoffizielle Teil”. Roy, mein Fahrer und bisheriger Reisebegleiter war von der Agentur beauftragt worden, mich am nächsten Morgen nach Vaikom zu bringen, wo ich bereits von meinem Freund Sunil und seiner Frau erwartet wurde.

Ich war gespannt auf die Begegnung mit ihm, den ich ebenso wie Ghanshyam aus Nepal über die Travellerseite WAYN kennengelernt hatte.

Von Alappuzha in die Cardamom Hills – unterwegs durch Keralas grüne Seele

15. April 2014

Die Straße schlängelte sich in engen Kehren den Berg hinauf, und je höher wir kamen, desto weiter ließen wir die schwüle Küstenebene hinter uns.

Jede Kurve wurde mit neuen Ausblicken belohnt: Endlose Teeplantagen breiteten sich vor uns aus, kunstvoll in Terrassen angelegt und in einer solchen Präzision geordnet, dass sie fast wie am Reißbrett entworfen wirken. Die sanften Hügel der Cardamom Hills erheben sich bis auf etwa 1300 Meter Höhe – dort liegt auch der Periyar-Nationalpark, ein geschütztes Gebiet, in dem Tiger, große Elefantenherden, Sambarhirsche, Leoparden und seltene Makaken ihren Lebensraum haben.

So weit das Auge reichte, dominierten die sattgrünen Teefelder die Landschaft. Entlang der Straße in Richtung Kumily – einem kleinen, beschaulichen Ort in den Cardamom Hills – wechselte die Vegetation stetig ihr Gesicht: von Kokospalmen, Bananenstauden, Jackfrucht- und Papayabäumen sowie Kautschukplantagen hin zu Kakao, Kaffee und Tee. Schließlich trat auch Kardamom hinzu, dessen aromatische Pflanzen zur Familie der Ingwergewächse gehören und der Region ihren unverwechselbaren Duft verleihen.

Bei einem Zwischenstopp in Pattumala, wo sich eine malerisch gelegene Kirche befindet, bot sich mir die Gelegenheit, den Teepflückerinnen aus nächster Nähe bei ihrer Arbeit zuzusehen. Es ist eine mühsame und körperlich anspruchsvolle Tätigkeit, und der Verdienst ist mit etwa 10 Euro pro Tag äußerst gering – auch wenn die Arbeiterinnen hier noch besser bezahlt werden als in vielen anderen Bundesstaaten Indiens.

Der Besuch eines Gewürzgartens unweit meiner nächsten Unterkunft gehörte zum Programm, bevor ich schließlich zum Hotel Greenwood Resort in dem kleinen, beschaulichen Ort Kumily gebracht wurde.

Bereits beim Betreten des Resorts hatte ich das Gefühl, mich nicht in einem klassischen Hotel, sondern in einer sorgfältig gestalteten tropischen Gartenanlage zu befinden. Ein schmaler Weg führte mich an dichtem Grün, exotischen Pflanzen und hohen Bäumen vorbei zu meinem Apartment – ihre Blätter bildeten ein schützendes Dach und ließen das Licht nur sanft hindurch.

Das Hotel gefiel mir außerordentlich gut: Mein Zimmer war komfortabel eingerichtet, und eine kleine „Teebar” mit diversen Snacks lud zum Verweilen ein. Doch zuerst wollte ich die herrliche Gartenanlage erkunden. Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Pflanzen – Palmen, blühende Sträucher und alte, hochgewachsene Bäume schufen eine Atmosphäre, die gleichermaßen lebendig und beruhigend wirkte. Während ich über die verschlungenen Wege schlenderte, hörte ich Vogelstimmen und das leise Rascheln der Blätter. Plötzlich nahm ich ein ungewohnt lautes Geräusch wahr: es war das Zirpen einer Zikade, die ich an einem der Bäume entdeckte.

Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Pflanzen: Palmen, blühende Sträucher und alte, hoch-gewachsene Bäume schufen eine Atmosphäre, die gleichermaßen lebendig und beruhigend wirkte. Während ich über die verschlungenen Wege schlenderte, hörte ich Vogelstimmen und das leise Rascheln der Blätter. Plötzlich nahm ich ein für mich extrem lautes Geräusch wahr, nämlich das Zirpen einer Zikade :

Backwaters Kerala

14. April 2014

Die Stadt Alapuzha war ab Mitte des 19. Jhs. die bedeutendste Hafenstadt der Backwater-Region. Gewürze, Kaffee, Tee, Cashewnüsse und andere Produkte wurden über ein Netz aus Kanälen und per Eisenbahn von den Wasserwegen im Landesinneren zum Meer transportiert.

Die Strecke von Kovalam Richtung Alapuzzha war wunderschön – sie führte uns an palmengesäumten Ufern entlang der Wasserstraßen und gab mir einen ersten Eindruck von den Backwaters.

Der Ort selbst ist bekannt für besonders schöne Boots-touren, und ich sollte ich nun den Luxus haben, ein kleines Hausboot mit Kapitän, Koch und Bedienung für mich ganz alleine zu haben.

Die Boote, die von Alaphuzza abfahren, führen durch das Labyrinth von Kanälen, Flüssen und Seen, die die Backwaters von Kerala bilden.
Die ursprünglichen Kettuvallams (Boote) wurden verwendet, um Reis und Gewürze nach Kochi zu transportieren. Sie wurden ganz einfach aus dem Holz des Jackfruchtbaumes zusammen mit Kokosfasern gebaut. Der Rumpf von jedem wurde dann mit schwarzem Harz aus gekochten Cashewkernen bestrichen und Bambusmatten für Dächer und Kokosmatten für den Boden verwendet.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Anlegestelle des Hausbootes von Rainbow Cruise, das von der Reiseagentur für mich für eine Übernachtung gebucht worden war. Der Kapitän begrüßte mich persönlich und hieß mich mit einem kleinen indischen Imbiss willkommen.

Während sich das Boot langsam in Bewegung setzte, glitten wir durch ein weit verzweigtes Netz aus Wasserstraßen. Entlang der Ufer reihten sich dichte, palmengesäumte Landschaften, kleine Dörfer und vereinzelte Häuser, die sich idyllisch in die tropische Umgebung einfügten. Das ruhige Dahingleiten auf dem Wasser und die üppige Vegetation verliehen der Szenerie eine beinahe meditative Atmosphäre.

Ich hatte ich nicht nur das Vergnügen, das Hausboot für mich allein zu haben sondern auch noch einen Koch dazu, der mich mit leckerem Essen verwöhnen sollte. Die Dachterrasse war der perfekte Platz, um in aller Ruhe die Landschaft und die herrliche Natur zu geniessen. während der Küchenchef ein köstliches südindisches Curry für mich zubereitete.

Das Boot schipperte gemächlich durch das seichte Gewässer – auf diese Weise war es mir möglich, den Männern bei der Arbeit auf den Reisfeldern und den Frauen bei ihrer Wäscherei am Flussufer zuzuschauen.

Der ganz gewöhnliche Alltag spielt sich hier größtenteils an den Ufern ab, während regelmäßig Lieferboote vorbeifahren, die Waren für den täglichen Bedarf anbieten.

Kokospalmen und üppiges Unterholz säumten die Ufer und manchmal schimmerte das Unkraut in den Kanälen wie ein durchgehendes grünes Meer hindurch.

Was für ein beschauliches Leben …

An einem der zahlreichen Anlegestellen hielt das Boot an, damit ich mit einem lokalen Guide zu einem Dorf gehen konnte, um einen kleinen Einblick in das dörfliche Leben zu bekommen. Ausser ein paar kleineren Kiosks, einem Restaurant und zwei Teestuben sowie Obst- bzw. Gemüse-händler gab es nicht viel zu sehen.

Hier und da begegneten wir ein paar Leuten, die kurz stehen blieben, um mir freundlich zuzuwinken, und aus der Ferne beobachtete ich, wie Frauen ihre Wäsche im Fluss wuschen.

Meine Befürchtung, in den Abendstunden von Mücken geplagt zu werden, hatte sich zum Glück als unnötig erwiesen. Dank Autan war ich gut geschützt und konnte unbesorgt auf dem Deck des Bootes mein Abendessen einnehmen und dabei die vorbeifahrenden Hausbooten beobachten, auf denen es zum Teil lautfröhlich zuging. Ich war froh darüber, dass ich auf dem Boot einziger Gast war und keine lautlärmende Menschenmenge um mich herum ertragen musste.

Das Boot legte irgendwann an einem Ufer an; allmählich verstummten auch die Motorgeräusche der zahlreichen anderen Hausboote. Ich lauschte dem Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Palmen und hörte in der Ferne das leise Trommeln von Einheimischen, die sich für den nächsten Tag auf das bevorstehende Vishu-Fest vorbereiteten.


Vishu markiert in Kerala den Beginn der Frühjahrssaison. Zu diesem Anlass feiern die Menschen eine Art Erntedankfest, das zugleich das astrologische Neujahr der Malayalees einläutet. Der Name „Vishu“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „gleich“ – ein Hinweis auf die Tagundnachtgleiche. Das Fest wird jedoch nicht nur von den Malayalis begangen, sondern hat auch in anderen Regionen Indiens eine Bedeutung.

Malayalis gehören zu einer Bevölkerungsgruppe im südindischen Bundesstatt Kerala und haben eine sehr ausgeprägte kulturelle Identität, die Ausdruck finden unter anderem in ihren Festen wie Vishu oder Onam und dem Kathakali-Tanz. Kathakali ist kein „Tanz“ im westlichen Sinn, sondern eher ein erzählerisches Tanztheater aus Kerala

Im Süden von Indien

April 2014

Ein indischer Freund aus Cochin, Kerala, hatte durch einen Freund seinerseits, der eine Reiseagentur leitet, die Rundreise durch Südindien organisieren lassen. Obwohl ich auch jenen indischen Freund nicht persönlich kannte, vertraute ich ihm ganz und gar und fühlte mich gut beraten.

Am 12. April 2014 trat ich dann meine Reise nach Kerala an. Der Flug mit Indigo von Jaipur nach Trivandrum dauerte insgesamt 9 Stunden, mit 2 Zwischenstopps, einem in Ahmedabad und in Chennai, wo ich einen Aufenthalt von gut 3 Stunden hatte.
Gleich nach meiner Ankunft auf dem Flughafen von Trivandrum kontaktierte mich der Manager der Reiseagentur, um sich zu erkundigen, ob ich gut angekommen sei und teilte mir mit , dass ein Fahrer bereits auf mich warte, der in den nächsten 7 Tagen mir zur Verfügung stände.

Er gab mir noch ein paar wertvolle Tips für meinen Aufenthalt und äusserte den Wunsch, dass auch er mich gerne persönlich am Ende der Rundreise, ebenso wie Sunil, den ich ja nur vom Internet her kannte, kennenlernen möchte. Ich war sehr erfreut über die Fürsorge und fühlte mich in wirklich guten Händen.

Der mir zugeteilte Fahrer, der auch zugleich mein Reisebegleiter war, holte mich vom Flughafen ab und brachte mich auf direktem Wege nach Kovalam zu meinem Hotel. Es war mittlerweile schon Abend geworden und somit war auch nichts weiteres mehr geplant. Der Fahrer war nicht sehr gesprächig; sein Hinglisch, wie indisch gesprochenes Englisch auch genannt wird, war nicht sonderlich gut zu verstehen. Ich war meinerseits aber auch nicht mehr wirklich aufnahmefähig für irgendwelche Informationen und war froh, als ich im Hotel ankam.

Früh am nächsten Morgen unternahm ich erst einmal einen kleinen Spaziergang durch die großzügige Gartenanlage des Hotels, Trivandrum Heritage, dass nur wenige Minuten vom Flughafen in der kleinen Stadt Kovalam, entfernt liegt. Viel Zeit zum Geniessen blieb leider nicht, denn bereits um 9:00 wollte mich Robin, mein Reisebegleiter, für unseren Tagesausflug abholen.

Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich an die eigenartige Aussprache, dem sogenannten Indenglish und verstand ihn zunehmend besser. Im Gegensatz zu meinem Reiseleiter von Nordindien, der sehr gesprächig und wissbegierig war, gewann ich bei meinem neuen Begleiter, Robin, den Eindruck, dass er voll und ganz ausschliesslich seine Aufgabe darin sah, mich mit Informationen über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten zu versorgen, was ja auch vollkommen in Ordnung war.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Kerala, ein Bundesstaat im Südwesten Indiens an der Malabar-Küste, mit über 33 Millionen Einwohnern der zwölftgrößte Bundesstaat, war berühmt geworden für seine Vielfalt an exotischen Gewürzen, die in Europa immer begehrter geworden waren. Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien (1498) durch Vasco da Gama, einem portugiesischen Seefahrer, der vom portu-giesischen König Manuel beauftragt war, wegen der hohen Zölle des Osmanischen Reiches einen Weg nach Indien zu finden, entwickelte sich in dem südlichwestlichen Teil Indiens ein lebhafter Handel.

Da die Küstenstädte über Häfen verfügten, die für europäische Missionare ebenso wie Entdecker leicht zugänglich waren, zog es somit auch viele portugiesische Händler nach Indien, die damit den Weg im 15. Jahrhundert für die westliche Kolonialisierung ganz Indiens ebneten. Aus Indien kamen hingege diverse Handelsgüter, vorwiegend Gewürze, nach Portugal: Pfeffer, das teuerste Gewürz im Mittelalter (in Lissabon brachte Pfeffer einen Gewinn von 500 Prozent; Ingwer, Gewürznelken, Muskat, Kardamom Kurkuma sind heute aus der europäischen Küche nicht mehr wegzudenken.

Viele andere Dinge erinnern heutzutage immer noch an jene Zeiten. Die portugiesische Herrschaft hat deutliche Spuren hinterlassen. Das zeigt sich nicht nur in dem für indische Verhältnisse hohen Anteil katholischer Christen an der Bevölkerung. Die Sprache der Bewohner, das Konkani, hat viele portugiesische Ausdrücke aufgenommen. Vor allem in den Städten Goas, z.B. in der Hauptstadt Panaji und in Velha Goa, sind noch viele charakteristische Bauten aus der Kolonialzeit erhalten.
Als Folge der portugiesischen Herrschaft über einige Jahrhunderte ist auch bemerkenswert, dass Kerala die niedrigste Bevölkerungswachstumsrate sowie eine Alphabetisierungsrate von 95,5% hat, dazu gehört auch dass es ein Bundesstaat mit der höchsten Lebenserwartungsrate ( 77 Jahre) ist. Korruption ist hier am wenigsten verbreitet, ganz im Gegensatz zu allen anderen Bundes-staaten Indiens.


Das Hotel Travancor Heritage Resort in Kovalam, in dem ich untergebracht war, ist eine sehr schöne Hotelanlage mit vielen kleinen Bungalows, die sich weitläufig über einen großen, sehr schön gestalteten Garten verteilten. Von meinem Zimmer aus hatte ich direkten Blick auf das Arabische Meer; der kleine Balkon lud zum Verweilen ein und die gut ausgestattete Kaffeebar war auch nicht zu verachten.

13. April 2014

Für den heutigen Tag war nur ein kleines Ausflugsprogramm geplant, u.a. der Besuch einer Bildergalerie, ein Museumsbesuch sowie der Sri Padmanabhashwamy Tempel.

Den Rest des Tages hatte ich für mich, was mir ganz recht war, denn die vielen Stunden im Flugzeug einschließlich der langen Wartezeiten zwischen den Anschlussflügen hatten mich ein wenig angestrengt.

Schon am frühen Morgen hatte ich mich nicht mehr ganz wohlgefühlt. Mir lag das Abendessen vom Tag zuvor noch mächtig  im Magen … deshalb entschied ich mich, für den Rest des Tages nur noch Papaya zu verzehren, die für ihre verdauungsfördernden Eigenschaften bekannt ist. So verbrachte ich meinen Nachmittag und Abendstunden mit Papaya und grünem Tee gemütlich auf meinem Balkon und genoss es zuzusehen, wie allmählich die Sonne im Meer versank.

Auch am nächsten Tag hatte ich noch ein unangenehmens Völlegefühl. Ich verspürte absolut keinen Hunger und erst recht keinen Appetit auf das Frühstück. Auf dem Weg nach Alupuzzha zu den Backwaters besorgte mir Robin, mein Reiseleiter, nochmals eine kiloschwere Papaya, die mir als Ersatz fürs Frühstück gerade recht war …

Eine reife Papaya mit ein wenig Zitronensaft beträufelt ist nicht nur verdauungsfördernd sondern schmeckt dazu auch noch sehr gut. Sie enthält mehr Vitamin C als Orangen und durch den hohen Anteil an Beta-Carotin trägt die Frucht zur Reduzierung von schädlichen freien Radikalen bei – es war also eine gute Wahl, meinen heutigen Tag gut zu überstehen