Abschied von Nepal

05. April 2014

Mit schwerem Herzen verabschiedete ich mich an diesem Tag von Meethu, den beiden Mädchen und der Haushälterin; es war Zeit, nach Kathmandu zurückzukehren, da ich am nächsten Morgen weiterfliegen wollte – mein nächstes Ziel sollte Indien sein. Ein letztes Mal gab es eine leichte nepalesische Mahlzeit … wie mir Meethu verriet, handelte es sich um gedünstetes Dschungel- kraut, das vom Aussehen her zumindestens ein wenig Ähnlichkeit mit Spinat hatte, dazu gab es noch Chapati und ein wenig Reis.

Mit der gleichen Airline, mit der wir nach Pokhara geflogen waren, ging es nun von dem kleinen Flughafen in Bharatpur (Chitwan) wieder zurück nach Kathmandu.

Die letzten Stunden verbrachte ich noch mit einem kleinen Einkaufsbummel in Thamel und dann ging es ans Kofferpacken. Ein wenig ausruhen, die neuesten Bilder waren noch auf Ghanshyams Laptop zu übertragen, danach hiess es früh schlafen gehen.

Mein Flug mit Spicejet von Kathmandu nach Delhi, der Hauptstadt von Indien, war glücklicherweise nicht allzu früh am Morgen, sodass ich noch in aller Ruhe mein Frühstück zu mir nehmen konnte und auch noch ein letztes Mal mich in aller Ruhe mit Ghanshyam unterhalten konnte. Am Abend, nach unserer Rückkehr kam es nämlich zu einem sehr unangenehmen Gespräch, und zwar stellte Ghanshyam für meine Begriffe eine überhöhte Forderung für seine Dienstleistung. Dazu kam noch, dass man von mir erwartet hatte, eine großzügige Spende für die Schule in Bajarhatti zu hinterlassen. Ich war zwar bereit, ihn für seine Begleitung auf der 3 wöchigen Tour zu entlohnen, aber seine Forderung schien mir doch ziemlich unangemessen hoch zu sein.

Ausserdem war ich ja bei der Reiseplanung davon ausgegangen, dass er bei der Kalkulation der Reisekosten auch sein Entgelt bereits mit einberechnet hatte, was ersichtlich eine Fehleinschätzung von mir war.


Aus Erfahrung wird man klug

Es war das erste Mal, dass ich mich auf eine Reise begab, bei der ich die Planung und Gestaltung jemanden anderem überlassen hatte, nämlich besagtem Ghansyham, den ich, wie ich schon erwähnte, über eine Webseite für Weltenbummler kennengelernt hatte. Er hatte mich richtig auf den Geschmack gebracht; sein Angebot, mein Gastgeber und gleichzeitig mein ganz persönlicher Reiseleiter sein zu wollen, erschien mir sehr verlockend, und so willigte ich ein.

Ich hatte zwar zu Beginn konkret nach etwaigen Kosten der ausgearbeiteten Reiseroute gefragt und auch eine Art Kostenvoranschlag bekommen, aber was er für seine „Dienstleistung als Reiseleiter“ erwartete, darüber hatte er sich ausgeschwiegen.

Dass ich ihn entschädigen müsste, das war mir schon klar und ich hatte vorgehabt, dieses am Ende der Reise zu tun, aber die Forderungen, die er zum Schluss erhob, waren dann doch für meine Begriffe etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Ich hatte wohl offensichtlich sein Angebot, als Gastgeber und Reisebegleitung tätig zu sein, zu freundschaftlich bewertet und mich nicht entsprechend genügend mit der Frage beschäftigt, ob die Einladung von ihm aus purer Freundlichkeit erfolgte, oder ob er sich nicht auch ganz einfach eine gute Verdienstmöglichkeit erhofft hatte. Es war meinerseits Naivität und natürlich Unkenntnis der gesamten Situation, zu glauben, dass alle seine Bemühungen nicht auch ihren Preis haben könnten.

Aus Europa kommend, vielreisend, ausgestattet mit einem soliden, regelmäßigen Einkommen und somit als reich geltend, hatte ich die Hoffnung erweckt, dass ich über die Vergütung hinaus noch als großzügige Sponsorin für die Schule seiner Frau in Frage käme, der ich nicht nachgekommen bin.

Schon gleich zu Beginn und auch später schlug mir Ghanshyam einige Male vor, in seinen Tee- und Kaffeehandel, den er so nebenbei betrieb, einzusteigen. Die Preise schienen mir, wenngleich auch sicherlich für die Qualität gerechtfertigt, sehr hoch und ich ging auf dieses Thema nicht weiter ein. Auch damit hatte ich ihn enttäuscht und so trennten sich unsere Wege auf nicht wirklich gute Art und Weise.

Nach den folgenden Jahren, in denen ich immer häufiger im fernen Asien weilte, erkannte ich zunehmend, wie sehr sich meine eigene Sichtweise durch Leben und Erleben verändert hatte. So schloss ich schließlich auch meinen Frieden mit dem etwas unliebsamen Ausgang meiner Reise nach Nepal, die so gänzlich naiv meinerseits begonnen und für eine ganze Weile einen ziemlich getrübte Erinnerung zurückgelassen hatte.

Jetzt aber, nachdem ich diese Reise noch einmal sehr intensiv durch mein Reisetagebuch durchlebt habe, habe ich den Wert dieser Reise erst wirklich erkannt und blicke mit Dankbarkeit auf diese wunderbaren und auch lehrreichen Tage in Nepal zurück, wenn auch mit ein wenig schlechtem Gewissen.

Erst erhebliche Zeit später war ich in der Lage, zu verstehen und nachzuvollziehen, dass an mich als Touristin aus einem reichen Land kommend nicht nur “Entschädigungsforderungen” gestellt worden waren. Unbedarft und in gewisser Weise auch etwas naiv hatte ich die mir erwiesene Gastfreundschaft als reinen Freundschaftsdienst betrachtet.

Chitwan Nationalpark

04. April 2014

Am nächsten Morgen brachen wir, d.h. Ghanshyam, seine Töchter und ich früh zum ChitwanNationalpark auf, welcher im Terai, den südlichen Vorbergen des Himalaya liegt.
CC BY 3.0, Link

Mit seinen knapp 1000 km² war er als Nepals erster Nationalpark 1973 gegründet worden und zählt seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Als wir den Chitwan National Park betraten, hatte ich sofort das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen. Dichte, fast undurchdringliche Wälder wechselten sich mit weiten Grasflächen ab, dazwischen glitzerten träge Flussläufe in der Sonne. Es war eine Landschaft, die gleichzeitig ruhig und voller Leben wirkte.

Am Vormittag war zunächst ein ausgedehnter Elefantenritt durch den Dschungel geplant. Vorbei an Damhirschen und unzähligen Affen führte uns der Mahout zu einer Flussstelle, die wir durchqueren mussten.

Es war offensichtlich, dass die Elefanten das Waten durch den Fluss genossen. Später durften wir noch miterleben, wie eine Herde von Elefanten von einem Mahout ins Wasser geführt wurden, wo sie gemächlich untertauchten, sich gegenseitig nassspritzten – es wirkte fast, als würden sie das Bad genießen wie wir Menschen an einem heißen Sommertag.

Der Mahout erklärte uns, dass dieses Verhalten weit mehr ist als bloßer Zeitvertreib: Elefanten können kaum schwitzen, und so hilft ihnen das Wasser, sich abzukühlen. Der Schlamm, in dem sie sich anschließend wälzen, legt sich wie eine schützende Schicht auf ihre Haut – ein natürlicher Sonnenschutz und zugleich ein wirksames Mittel gegen Insekten.

Im Dickicht des Waldes bot sich uns die seltene Gelegenheit, Panzernashörner zu beobachten – sogar ein Weibchen mit seinem Nachwuchs bekamen wir zu Gesicht.

Von den berühmten bengalischen Tigern, auch als Königstiger bekannt, sahen wir leider keinen einzigen. Einst gab es rund 40.000 dieser majestätischen Tiere, doch durch Wilderei ist ihre Zahl drastisch zurückgegangen. Heute schätzt man den Bestand dieser edlen Wildkatze in Nepal nur noch auf etwa 120 bis 250 Tiere.

Entlang dem Ufer vom Rapti Fluss liegen zahlreiche Boote für Kanutouren angetäut. Eine Bootstour führte uns im seichten Gewässer vorbei an Gavialen (zur Familie der Krokodile gehörend), wovon der Gangesgavial der einzig heute noch lebende Gangesgavial ist und nur noch in Nepal und Indien vorkommt. Aber auch normale Krokodile waren in gefährlicher Nähe von unserem Boot, das gelegentlich auch mal leicht schwankte, weil die Mädchen sich fürs Fotografieren in Pose gesetzt hatten … offengestanden war mir beim Anblick dieser Reptilien nicht ganz wohl. Dennoch war die Fahrt interessant und die beiden Mädchen machten sich manchmal über meine Besorgtheit lustig … sie schienen weniger Furcht zu haben als ich.

Am Abend führte uns unser Weg zu einem kulturellen Programm im Sauraha Tharu Culture Center. In warmem Licht und begleitet von rhythmischen Trommelschlägen entfalteten sich die traditionellen Tänze der Tharu, einer der ältesten ethnischen Gruppen Nepals. Wie auch die Newar, Sunwar, Rai und Limbu (Kiranti) gehören sie zu jenen Völkern, die seit frühen Zeiten im heutigen Nepal verwurzelt sind und dessen kulturelle Seele bis heute prägen.

Die Aufführung selbst war schlicht gehalten, doch die Freude der nepalesischen Besucher war unverkennbar, und auch Ghanshyam ebenso wie seine Töchter ließen sich davon anstecken. Beim kraftvollen Tharu-Stabtanz und dem anmutigen, symbolischen Tanz des Pfaus wurde nicht nur zugeschaut, sondern mitgefühlt. Schließlich wich die Zurückhaltung der Begeisterung: Zuschauer wurden zu Teilnehmenden, und die Grenze zwischen Bühne und Publikum löste sich auf.

Tanz des Pfaus im Sauraha Tharu Culture Househttps://youtu.be/1VcXNFKQN4Q

Spät am Abend kehrten wir nach Bajarhatti zurück. Dort erwartete uns bereits die freundliche Haushälterin, und mit ihr der vertraute Duft eines frisch zubereiteten nepalesischen Essens – ein Blattgemüse, das wir in Europa nicht kennen. Es ähnelt vom Aussehen unserem Spinat, stammt aber aus der Familie der Kreuzblütler und hat einen ganz eigenen Geschmack, an den ich mich anfangs erst einmal gewöhnen musste. Aber nach 3 Wochen nepalesischer Kost war es beinahe mein Lieblingsessen geworden.

Pokhara – Natur Pur

31. März 2014

Der Flug nach Pokhara dauerte knappe 30 Minuten . Es war zwar nur eine kleine Maschine von Buddha Airlines, dafür mit ausgezeichnetem Bordservice und der Flug verlief reibungslos, außer dass die Landung etwas hart war.

Die Stadt liegt 200 km westlich von Kathmandu und ist ein beliebtes Touristenziel, wo viele Wanderer einen Zwischenstopp einlegen, bevor sie zu großen Trekkingtouren zum Annapurna-Massiv aufbrechen. Ich hatte nicht vor, Berge zu erklimmen, dafür aber einige Wanderungen und eine Bootstour auf dem Phewa See stand ausser Frage.

Pokhara ist auffallend sauber und deutlich weniger mit Smog belastet als Kathmandu. Mit seinen 230.000 Einwohnern ist die Stadt überschauba; sie bietet neben etlichen kleineren Hotels viele Unterkünfte für Rucksacktouristen mit geringem Budget. Das Hotel, das mein Reisebegleiter, Ghanshyam, für 3 Nächte ausgewählt hatte, lag ziemlich im Stadtzentrum. Deshalb war es uns möglich, noch am selben Nachmittag zu einer der Anlegenstellen am Phewa-See zu gehen.

Wir unternahmen eine kleine Bootstour mit einem etwas in die Jahre gekommenen Boot rundherum auf dem See und konnten so bereits einen ersten Blick auf die Umgebung und die Berge werfen, die sich am Horizont erstreckten . Bei guter Sicht soll man uf einen recht großen Teil des Himalaya-Gebirges sehen, was uns wegen dem Dunst über dem See leider nicht vergönnt war.

Phewa See in der Abenddämmerung

01. April 2014

Nach einem schnellen Frühstück in aller Frühe machten wir uns auf den Weg zur Weltfriedens-pagode, um den spektaktulären Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Das Wetter spielte dieses Mal auch mit, so dass wir einen tollen Blick auf das Annapurna Massiv mit seinen insgesamt drei 8000ern – dem Annapurna, dem Manaslu und dem Dhaulagiri – in der Ferne zu sehen bekamen, obwohl Pokhara selbst nur auf einer Höhe von 930 m liegt.

Das Klima in Pokhara war sehr angenehm denn es war hier deutlich wärmer als in Kathmandu. Die höchste Durchschnittstemperatur in Pokhara liegt durchschnittlich bei 24°C im Juni und die niedrigste Temperatur beträgt 11°C im Januar.

Di e Stadt erfreute sich in den 60ern und 70ern besonders großer Beliebtheit bei den Hippies und hat sich aus jener Zeit noch einen gewissen Charme bewahrt. Direkt am Phewa-See gelegen und mit Blick auf das Annapurna-Massiv, gehört Pokhara zu den schönsten Orten Nepals. Die Nähe zu den Bergen macht die Stadt zum idealen Ausgangspunkt für Trekkingtouren.


02. April 2014

Sarangkot

Für den heutigen Tag war ein Ausflug mit einem Taxi nach Sarangkot geplant, das ca. 5 km von Pokhara entfernt liegt.Hoch über der malerischen Stadt Pokhara gelegen, ist Sarangkot ein Ort, an dem die Natur jeden Morgen ihr schönstes Meisterwerk vollendet. Sarangkot gilt als Nepals bester Aussichtspunkt für den Sonnenaufgang und bietet einen unverbauten Blick auf die Annapurna- und Dhaulagiri-Gebirgsketten. Dieser Ort ist neben der atemberaubenden Aussicht auch ein Anziehungspunkt für Freunde des Paraglidings .

Sehr früh am Morgen machten wir uns auf den Weg, um zeitig genug dort zu sein, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es war großartig, dem Schauspiel der langsam aufgehenden Sonne zuzuschauen und einer der spektakulärsten Sonnenaufgänge, die ich bisher erlebt hatte. Es ist ein immer wieder faszinierender Augenblick, wie erst nur ein leichtorange-farbener Streifen am Horizont sichtbar wird, die Farben wärmer und wärmer bis purpurrot werden und die Sonnenstrahlen die Berge zum Leuchten bringen. Bald danach konnten wir auch die ersten Ultralightflugzeuge erkennen und ihnen beim Paragliding zuschauen.

Es gibt es hier phantastische Möglichkeiten für jene, die sich diesem Abenteuer verschrieben haben. Da sich Sarangkot auf einem Vorberg des Annapurna Himal in 1560 m Höhe befindet, ist es ein idealer Ort, um in luftiger Höhe mit einem der Ultraleichtfluggeräten über den Berggipfeln zu schweben.

Von Sarangkot aus liessen wir uns mit dem Taxi zur Gupteshwor Mahadev-Höhle fahren, die wahrscheinlich die längste und attraktivste Höhle in Südasien ist. Die Höhle, die sich in der Nähe der Devi Wasserfälle befindet, enthält einen riesigen Stalagmiten, der als Shiva Lingam verehrt wird.

Zu den Höhlen hinunter führt eine breite, spiralförmige Treppe mit über zweihundert Stufen zu dem etwa drei Meter breiten und zwei Meter hohen Eingang der zweiteiligen Höhle. Am nördlichen Ende der Höhle befindet sich ein unterirdischer See, und eine vertikale Felsspalte gibt dahinter den Blick auf den Devi `s Wasserfall frei, durch den das Tageslicht hineinscheint.

Am folgenden Morgen fhren wir ebenfalls in aller Herrgottsfrühe hinauf zum Anadu Hügel, um die Shanti Stupa zu besichtigen. Es ist eine von weltweit 80 buddhistischen Friedenspagoden, von denen zwei sich in Nepal befinden. Die Pagode von Pokhara wurde von einem buddhistischen Mönch gemeinsam mit lokalen Unterstützern erbaut. Shanti ist ein Sanskrit-Wort, das Frieden bedeutet und auch in der nepalesischen und der Hindi-Sprache weit verbreitet ist; Shanti Stupa bedeutet Friedenspagode.

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Weiter geht es ins Kathmandu-Tal

22.März 2014

Chobhar ist eine Gemeinde in Kirtipur, die reich an ihrer eigenen Kultur und Lebensweise mit einer großartigen Geschichte ist. Der Adinath Lokeshwar Tempel wurde im 15. Jahrhundert erbaut und wird von Buddhisten als eine Form des Bodhisattva Avalokiteshvara und von Hindus als Surya, dem Sonnengott, geehrt.

Bei dem Adinath – Lokeshwar handelt es sich um einen heiligen Tempel für Hindus und auch Buddhisten und war Anandadi Lokeshwar gewidmet, einem der vier wichtigsten Bodhisattvas * , die im Kathmandu-Tal als Lokeshwars verehrt werden.


Der Tempel ist vor allem für seinen einzigartigen Brauch bekannt, bei dem Pilger Töpfe und Pfannen an den Wänden und Dachstützen des Tempels aufhängen; daher wird er auch als „Topf- und Pfannentempel“ bezeichnet. Man nimmt an, dass diese Tradition im 17. Jahrhundert entstand, als ein wohlhabender Kaufmann einen goldenen Topf an die Tempelwand hängte, um für das Wohlergehen seiner Familie zu beten. Der Topf soll seinen Wunsch erfüllt haben, und bald darauf begannen andere Pilger, ihre eigenen Töpfe und Pfannen am Tempel aufzuhängen, in der Hoffnung, ähnliche Segnungen zu erhalten.

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Über den Adinath-Tempel gibt es folgende Legende

In alten Zeiten war die Bevölkerung vielen Arten von Epidemien ausgesetzt. Es traten häufig Pocken, Cholera, Masern, Tuberkulose, Malaria usw. auf, woran viele Menschen in einem recht frühen Alter verstarben.
Wenn Menschen an solchen Erkrankungen starben , wurden sie (heute noch normales Prozedere) eingeäschert. Die Ehefrauen liessen sich mit den Leichnamen ihrer Ehemänner zusammen verbrennen. Dies wird Sati genannt (Witwenverbrennung – eine weitgehend historische Praxis, die hauptsächlich unter Hindus anzutreffen ist). Dann blieb die Mitgift (Kvasaḥ), die die Schwiegertochter während ihrer Ehe mitgebracht hatte, im Haus ungenutzt. Es wäre für die Familienmitglieder schmerzhaft, diese Utensilien zu Hause zu sehen. Um diese Schmerzen loszuwerden, boten sie dem Tempel diese Utensilien an.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Kirtipur, das nächste Ziel unseres Tagesausfluges, liegt auf einem Hügel südwestlich des Zentrums von Kathmandu und gilt als eine der ältesten Siedlungen im Tal. Ein Spaziergang durch die verwinkelten Straßen fühlt sich an wie ein Spaziergang durch ein traditionelles nepalesisches Dorf – darüberhinaus bietet Kirtipur einige der schönsten Ausblicke auf das weitläufige Kathmandu, sowie die Hügel und Berge dahinter. Kopfsteinpflasterstraßen, alte Backsteinhäuser mit kunstvoll geschnitzten Tür- und Fensterrahmen und mehrschichtigen Pagoden prägen das gesamte Stadtbild.

Ein Hindu-Tempel in Kirtipur, der Bhagh Bhairav gewidmet ist, einer Inkarnation von Lord Shiva als Tiger. Die Bewohner des kleinen Ortes glauben, dass Bhagh Bhairav sie beschützt.

Chilancho Stupa -das ältestee Denkmal Kirtipurs. Eswird angenommen, dass es sich um eine von mehreren Stupas handelt, die vom Mauryan KaiserAshoka im 3. Jhdt. v.Chr. gegründet wurde


Manju Shree Park


Ein weiteres Ausflugsziel rundete den Tag ab – der Taudaha See, um den sich ebenfalls eine Legende rankt. Der See ist der mythischen Erzählung nach einem Schlangenkönig und seinem unterwasserreich benannt.

Nach der buddhistischen Mythologie wurden den unzähligen Nörgel, die Halbschlangen, Halbmenschen-Kreaturen sind, ihr natürlicher Lebensraum durch Manjushree genommen. In diesem See fanden der König der Schlangen und seine Untertanen ihr neues Reich, daher der NameTa(u) Schlange und Daha, der See.

Nach der nepalesischen Mythologie ist der Bodhisattva Manjushree (der Bodhisattva der Weisheit) der Schöpfer des Kathmandu-Tals und der Begründer der nepalesischen Zivilisation. Die Legende besagt, dass das heutige Kathmandu-Tal ursprünglich ein riesiger, von Bergen umgebener See namens Nagdaha war, in dem Schlangen (Nagas) lebten.

Bodhisattvas * Im Mahāyāna haben Bodhisattvas einen besonders zentralen Stellenwert. Sie stehen für die Haltung, den eigenen Fortschritt mit größtem Mitgefühl  und Weisheit  zu verbinden und verkörpern die Synthese aus ethischem Handeln, Meditation und Weisheitspraxis- besonders wichtig ist, dass Mitgefühl nicht nur Gefühl bleibt, sondern sich in wirksamen Taten zeigt.

Die pulsierende Hauptstadt von Nepal

Kathmandu

20. März 2014

Kathmandu ist ein faszinierendes Mosaik aus Geschichte, Kultur und Spiritualität. Die Stadt entstand aus drei antiken Städten – Kathmandu, Patan und Bhaktapur – und vereint ihre jahrhundertealten Tempel, lebendigen Märkte und engen Gassen zu einem einzigartigen Erlebnis, das Vergangenheit und Gegenwart auf zauberhafte Weise verbindet.

Der Name Kathmandu, früher bekannt als Kantipur, leitet sich von Kasthamandap ab, einem Rasthaus, das aus dem Holz eines einzelnen Baumes gebaut wurde. Kasthamandap ist eines der vielen außergewöhnlichen architektonischen Gebäude am Durbar Square.

Unter diesen kulturellen Stätten ist der Kathmandu Durbar Square, auch als Basantapur Durbar Square bekannt, der wichtigste. Er befindet sich im Herzen von Kathmandu und ist ein Komplex aus wunderschönen Tempeln und Schreinen für Hindus und Buddhisten. Die meisten von ihnen sind im Pagodenstil erbaut; sie entstanden zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert. Die Wände sind mit kunstvollen Schnitzereien, Statuen und symbolischen Motiven verziert. Traditionell wurden Holz, Ziegel und Stein verwendet, wobei Holzschnitzereien besonders hervorstechen. Der Durbar Square mit seinen alten Tempeln und Palästen verkörpert das religiöse und kulturelle Leben der Menschen. Hier wurden die Könige von Nepal gekrönt und ihre Krönungen feierlich gefeiert.

Bis zum frühen 20. Jahrhundert war der Durbar Square die Residenz des Königs – ein lebendiges offenes Museum in Nepal. Der Durbar ist in zwei Innenhöfe unterteilt und hat einen äußeren Teil, der aus Kumari Ghar, Shiva-Parvati-Tempel und Kasthmandap besteht, während der innere Teil den Hanuman Dhoka und den Hauptpalast beherbergt. Einige Stockwerke des Palastes wurden in Museen umgewandelt, die drei Generationen von Schah-Königen gewidmet sind.

Die lebende Göttin Nepals: Kumari ist eine bedeutende kulturelle und religiöse Persönlichkeit in Nepal, insbesondere in der Newar-Gemeinschaft im Kathmandu-Tal. Diese Tradition symbolisiert die Verehrung eines jungen vorpubertären Mädchens, das als physische Verkörperung der Göttin Taleju gilt. Die bekannteste ist die „Königliche Kumari“ von Kathmandu, die nach strengen Kriterien aus der Volksgruppe der Newar ausgewählt wird. Trotz der großen Verehrung ist das Leben als Kumari auch mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Sie hat in dieser Zeit wenig Kontakt zur Außenwelt und eine ungewöhnliche Kindheit.

Kumari in Kathmandu (Fotograf: Manjari Shresthra via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Sie wird täglich verehrt: Priester und Gläubige kommen, um von ihr als Verkörperung der Göttin Taleju Segen zu erhalten. Dabei sitzt sie oft still auf einem Thron, geschmückt mit aufwendigem Make-up (z. B. dem typischen „Feuerauge“) und prächtigen Kleidern.

Sobald die Kumari ihre erste Menstruation bekommt (oder auch schon bei einer ernsthaften Verletzung, bei der Blut fließt), gilt die göttliche Präsenz der Göttin Taleju als von ihr gewichen. Sie verliert damit ihren Status als lebende Göttin und kehrt in ein „normales“ Leben zurück.

Danach zieht sie wieder zu ihrer Familie, geht zur Schule und versucht, sich in den Alltag einzugliedern – was oft nicht ganz leicht ist, weil sie viele Jahre isoliert und unter besonderen Bedingungen gelebt hat

Basanthapur Durbar Square – das historische Herzstück

Hinduistische Pilger berühren die riesige Steinstatue von Kala (schwarz) Bhairav, Shivas 6-armiger zerstörerischer Form, auf dem Kathmandu Durbar Square. Auf seinem Gesicht mit großen Augen befindet sich eine Krone, die mit menschlichen Schädeln verziert ist, und auf seinem Rücken befindet sich eine menschliche Haut. Kala Bhairav ​​steht auf einer niedergeworfenen Figur, die menschliche Unwissenheit darstellt.
Dies ist der berühmteste Bhairav welcher von der Regierung genutzt wurde, um hier von den Menschen einen Eid abzufordern, dass sie die Wahrheit sagen.

Kala Bhairav- der “Furchteinflössende”

Die zerstörerische Inkarnation des Hindu-Gottes Shiva. In der hinduistischen Tradition gilt Kala Bhairava als Wächter heiliger Orte und als strenger Hüter des Dharma

Kathmandu Durbar Square

Der Kathmandu Durbar Square ist ein historischer Platz im Herzen von Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, und zählt zu den bedeutendsten kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten des Landes. Er war jahrhundertelang das politische und kulturelle Zentrum von Kathmandu und diente als Residenz der nepalesischen Könige. Hier fanden wichtige Zeremonien statt, darunter die Krönungen der Monarchen. Hier finden sich wunderschöne Beispiele für traditionelle nepalesische Architektur. Paläste, Tempel und Höhlen spiegeln sowohl hinduistische als auch buddhistische Einflüsse wider.

Shiva – Parvati Temple, Kathmandu. Der untere Teil dieses Gebäude ist fast über seine gesamte Länge hinweg mit einem fünfteiligen, geschnitzten Holzparavent verziert.

Religiöse Praktiken und kulturelle Traditionen sind hier noch sehr lebendig und allgegenwärtig. Viele Menschen kommen hierher, um zu beten, Opfergaben zu bringen oder rituelle Zeremonien durchzuführen.

Die Hanuman-Statue steht am Eingang des Hanuman-Dhoka-Palastes. Der hinduistische Gott Hanuman ist als Affe dargestellt; er sitzt auf einem hohen Steinsockel, ist in Rot gehüllt und wird von einem Sonnenschirm beschirmt. Hanuman steht besonders für Wiedergabe von Stärke und Mut, unerschütterliche Hingabe zu Rama (Selbstlosigkeit) und Gerechtigkeit.

Mittlerweile waren schon einige Stunden vergangen und allmählich verspürte ich einen mächtigen Hunger; in einem netten kleinen Restaurant, das sich ganz in der Nähe vom Königlichen Palast befand, nahm ich auf dessen Dachterrasse Platz und bestellte mir ein typisches nepalesisches Gericht : eine Linsensuppe, Gemüsecurry, Reis, dazu diverse Gewürzchutneys und eingelegtes saures Gemüse. Gestärkt konnte es nun weitergehen.

Nur einen Steinwurf vom Basantapur Durbar Square entfernt liegt der Mangal Bazaar – ein lebendiger Markt voller Farben, Düfte und lokaler Handwerkskunst. Zwischen Gewürzen, Schmuck und Souvenirs spürt man das pulsierende Alltagsleben Kathmandus hautnah.

Swayambhunath Tempel

Ein Ort der Spiritualität und Mystik

Swayambhunath – der „aus sich selbst entstandene Gott“ – wirkte wie ein Ort außerhalb der Zeit. Der Name „Swayambhu“, „selbstentstanden“, bekommt hier eine fast greifbare Bedeutung. Einer alten Legende zufolge war das Kathmandu-Tal einst ein See, aus dem sich ein Lotus erhob – und aus diesem die Stupa entstand.

Als ich die Stufen zum Swayambhunath hinaufstieg, liess ich den Lärm Kathmandus Schritt für Schritt hinter mir. Mit jeder Stufe wurde es ruhiger – und gleichzeitig intensiver. Gebetsfahnen spannten sich über den Weg, Affen beobachteten neugierig das Geschehen, und irgendwo lag dieser ganz eigene Duft von Räucherwerk in der Luft.

Swayambhunath ist ein Tempelkomplex, der im Westen von Kathmandu auf einem Hügel erbaut worden ist und sowohl Buddhisten als auch Hindus als ein Ort der Anbetung und Ehrerbietung dient. Man schätzt, dass dieses buddhistische Heiligtum ca. 2000 Jahre alt ist; der buddhistische Stupa, flankiert von zwei hinduistischen Tempeln ist sogar von Kathmandu aus zu sehen. Wegen der zahlreichen Affen, die die Anlage bevölkern, wird der Berg auch”Affenberg” genannt.
Der strahlend weisse Dom versinnbildlicht das vollkommene Nirwana (Zustand der Befreiung vom Inkarnationszyklus), und die alles sehenden Augen Buddhas blicken in alle Richtungen. Sie verkörpern Weisheit und Mitgefühl

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Oben angekommen öffnete sich mir der Blick über die Stadt – und gleichzeitig schien sich alles nach innen zu richten. Pilger drehten leise die Gebetsmühlen, murmelten mir unverständliche Mantras und verweilten andächtig vor der Stupa. Trotz der vielen Besucher lag eine besondere Ruhe in der Luft

Ganz früh am nächsten Morgen besuchte ich nochmals den Tempel. Bei aufgehender Sonne war der Anblick der Stupa mit ihrem goldenen Relief und den tiefgründigen Augen nochmals ein ganz besonderes Erlebnis.

Swayambhunath Stupa
Gebete am frühen Morgen im Swayambhunath Tempel

Von Pokhara nach Chitwan

Beim Schreiben erinnere ich mich an Momente, in denen ich an die Grenzen meines Verständnisses gestoßen bin. Gleich zu Beginn hatte mich Ghanshyam eindringlich vor ungeprüftem Trinkwasser gewarnt – eine Warnung, die sich nach einer vermeintlich harmlosen Flasche im Hotel schnell bestätigte.

Als ich mich daraufhin beim Manager beschwerte, erschien mir das selbstverständlich. Für Ghanshyam jedoch war es ein Problem: In seinen Augen hatte ich – als Frau – eine Grenze überschritten, denn es wäre seine Aufgabe gewesen, Kritik zu äußern. Erst später begriff ich, dass es nicht um das Wasser ging, sondern um kulturelle Unterschiede, um Rollenbilder und darum, das Gesicht zu wahren.

Reisen bedeutet für mich seither auch, die eigene Sichtweise zu hinterfragen – und zu akzeptieren, dass Selbstverständlichkeiten nicht überall dieselben sind.

Und weiter geht es nach Bajarhatti

03. April 2014

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes in Pokhara machten wir uns auf den Weg in Richtung Chitwan Nationalpark, in dessen Nähe sich die Shree Lower Secondary School in einem kleinen Dorf namens Bajarhatti, befand. Es ist eine Grundschule mit Übernachtungsmöglichkeiten, ähnlich einem Internat, in welchem Kinder mit Hörbehinderung untergebracht sind. In dieser Schule arbeitete Ghanshyams Frau als Rektorin und hier war eine Zwischenübernachtung eingeplant, da es auf dem Weg zum Nationalpark lag.

Meethu, Ghanshyams Frau, hatte einige Tage zuvor schon Kathmandu verlassen, da sie administrative Arbeiten zu erledigen hatte. Die beiden Töchter, Sadichcha und Subhdechcha hatten Schulferien und begleiteten ihre Mutter, weil ihr Vater ja mit mir unterwegs war.

Ghanshyam hatte vorgeschlagen, für ein oder zwei Nächte in der Schule mit seiner Familie zusammen zu übernachten. Die Stimmung während der Fahrt von Phokara nach Bajarhatti war ebenso getrübt, wie das Wetter. Es regnete und bei dichtem Nebel war von der Landschaft auch nicht viel zu sehen. Ghanshyam trug es mir noch nach, dass ich ihn vor dem Hotelmanager in Pokhara seiner Auffassung nach “blossgestellt” hatte.

In der Schule von Bajarhatti angekommen, wurden wir bereits sehnsüchtig erwartet. Meethu und ihre beiden Töchter standen sichtlich aufgeregt bereit, sowie ein kleines „Empfangskomitee”, dass sich zu unserer Begrüßung versammelt hatte. Mit liebevoll gefertigten Blumengirlanden hießen sie mich willkommen.

Rektorin und Lehrer der Schule

Meethu sowie eine weitere Lehrerin, die Hauswirtschafterin, ihre Töchter und einige Schülerinnen hatten diese Girlanden eigens für mich vorbereitet – ein Zeichen großer Herzlichkeit und Wertschätzung. Für mich war es ein zutiefst berührender Moment, auf diese traditionelle Weise empfangen zu werden.

Nach einem kleinen Imbiss in der Schule führte mich Ghanshyam zu seiner Familie, die im benachbarten Dorf lebten: seine Eltern, Schwestern, Nichten und Neffen und auch der Großvater durften nicht fehlen, dessen Namaskar, welches die förmlichere Begrüßung ist, ich ehrerbietig erwiderte.

Fast alle konnten ein paar Worte Englisch, so dass mir es möglich war, mich mit ihnen ein wenig zu unterhalten. Auf dem Rückweg zur Schule wurde ich von einem Dorfnachbarn auch noch mit einem freundlichen Namaste begrüßt und einer weiteren Girlande bedacht.

Es war inzwischen spät geworden, und die Müdigkeit des Tages legte sich spürbar über alles. Gemeinsam mit den Töchtern richtete ich mir meine Schlafstätte im Schulgebäude her.

Bevor wir uns zur Ruhe begaben, drückte mir die Hauswirtschafterin noch eine Taschenlampe in die Hand – fast fürsorglich, als wüsste sie um die ungewohnte Dunkelheit der Nacht. Falls ich hinausmusste, erklärte sie mir, würde mir ihr Licht den Weg zu dem kleinen, etwas abseits gelegenen Toilettenhäuschen weisen.

Ich war es nicht mehr gewohnt, mit mehreren gemeinsam in einem Zimmer zu schlafen und schlief aus diesem Grunde nicht besonders gut. So hörte ich recht früh ein leises Murmeln aus einer Ecke kommend, das von der Hauswirtschafterin stammte, die ihr morgendliches Gebet noch vor Sonnenaufgang zelebrierte. Mir kam es vor wie eine Art Gottesdienst, den sie vor einem winzigen Altar, der sich in einer Ecke unseres Raumes befand, abhielt. Hier wie auch schon zuvor wurde mir klar, dass Religion ein pragmatischer Teil des Alltags ist und der Orientierung im Leben sowie dem Schutz der Gemeinschaft dient.

Panauti – ein Ort der Stille

30. März 2014

Auf dem Rückweg von Balthali nach Kathmandu machten wir einen kurzen Zwischenstop in Panauti, einem kleinen, stillen Ort; eine einstmals historische Stadt, die ebenso wie Bhaktapur und Boudhanath eine bedeutsame Rolle im Handel zwischen Tibet und Indien spielte.

Während die weitläufigen Städte Bhaktapur, Patan und Kathmandu zu wirtschaftlichen und politischen Zentren geworden sind hat sich Panauti nie wirklich über die Ufer der Flüsse Punyamata und Roshi hinaus ausgedehnt. Daher blieb vieles seiner herausragenden Architektur und alten Kultur erhalten.

Als ich durch Panauti schlenderte, hatte ich , wie an anderen Orten auch, das Gefühl, dass die Zeit hier irgendwie langsamer vergeht. Die engen Gassen, die alten Backsteinhäuser und die kunstvoll geschnitzten Fenster wirkten, als würden sie leise Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten erzählen.

Der Indreshwar-Tempel soll einer der ältesten Tempel Nepals sein; er befindet sich im südöstlichen Teil der Stadt und ist zum großen Teil im typischen Newari-Stil erbaut, der die drei Ebenen der Göttlichkeit darstellt

Die Ebenen zeigen die Gegenwart des Göttlichen im Himmeln und auf der Erde. Es ist eines der ältesten und besten Exemplare der traditionellen nepalesischen Tempelarchitektur . Der Tempel ist auf einem quadratischen Sockel mit dreistufigem Dach errichtet. Das oberste Dach und die Gipfel des Tempels sind aus vergoldetem Kupfer und die restlichen beiden unteren Dächer sind mit Terrakotta-Mini-Ziegeln bedeckt. Die Holzkunst an den Türen, Fenstern und Streben ist eine weitere wichtige Attraktion dieses Tempels.

Bevor es weiter nach Pokhara gehen sollte, hatte Ghanshyam mir vorgeschlagen, zwei Nächte in seinem Zuhause auszuruhen. Da Pokhara gut 200 km westlich von Kathmandu liegt, schloss ich mich seinem Vorschlag an, nach Pokhara zu fliegen und so suchten wir am nächsten Tag ein Reisebüro in Thamel auf, um den Flug zu buchen. Die Entscheidung, welche inländische Fluggesellschaft es für den Flug sein sollte, fiel auf Buddha Air, die als die sicherste galt. Der Flugpreis betrug 37 Euro, also erschwinglich; so ersparte ich mir etliche Stunden Fahrzeit mit dem Auto oder Bus.

Die freie Zeit nutzte ich, um einen Einkaufsbummel in dem Stadtteil Thamel. Es ist das bekannteste Touristenviertel Kathmandus und die Einkaufsmeile schlechthin. Hier bekommt man so ziemlich alles, was so typisch nepalesisch ist … angefangen von kunsthandwerklichen Produkten, Textilien, Schmuck, Antiquitäten und vieles mehr.


Nicht ganz ohne Eigeninteresse brachte mich Ghanshyam zu einer Boutique, in welcher farben-frohe Tücher und Decken aus lokal gewebtem Kaschmir angeboten wurden. Da ich sowieso ein paar Mitbringsel benötigte, kaufte ich denn auch gleich mehrere Paschmina Schals aus reiner, feinster Kaschmirwolle, die immer einen Abnehmer finden würden. Sie waren nicht ganz billig, aber mit Sicherheit konnte ich davon ausgehen, dass sie tatsächlich aus Kaschmirwolle hergestellt waren

Traditionen und Bräuche in Nepal

Die Tragödie von weiblicher Unreinheit

Diese Eindrücke stammen von meiner Nepalreise im Frühjahr 2014

Chhaupadi Huts sind Hütten, in denen im ländlichen Nepal menstruierende Mädchen/Frauen in Abgeschiedenheit ausharren müssen, bis ihre monatliche Blutung aufhört. Bislang starben jedes Jahr mindestens ein Mädchen oder eine Frau in einer solchen Hütte. Den harschen Temperaturen im Winter ausgesetzt erfroren sie oder erstickten an einer Rauchvergiftung, da sie in den kleinen Hütten eine Feuerstelle errichtet hatten, um sich warmzuhalten. Nun soll es ein Gesetz geben, welches diesen Brauch unter Androhung einer dreimonatigen Haftstrafe verbietet, aber ob dies auch in der Praxis Anwendung findet, ist nicht so sicher.

Frauen und Mädchen werden nicht nur aus dem Haus verbannt, sondern dürfen auch keine Lebensmittel, religiösen Ikonen, Rinder und Männer berühren. Die alte hinduistische Praxis gibt es seit Jahrhunderten in Nepal sowie in Teilen Indiens und Bangladeschs.

Viele Frauen tun es weiter, aus starkem sozialen Druck oder sogar aus Schuldgefühlen, und jeden Abend stapfen Hunderte menstruierender Frauen und Mädchen aus ihren Häusern in Chhaupadi-Hütten über diese welligen grünen Hügel, wo kleine Rauchwolken in den sich verdunkelnden Himmel ziehen.


Religion prägt den Alltag

In Nepal sind Religion und Alltag kaum voneinander zu trennen. Hinduismus und Buddhismus existieren seit Jahrhunderten nebeneinander und beeinflussen sich gegenseitig. Nicht selten stehen hinduistische Tempel und buddhistische Stupas Tür an Tür, und viele Gläubige besuchen beide Heiligtümer mit derselben Selbstverständlichkeit.

Schon am frühen Morgen erfüllen der Klang von Tempelglocken, das Murmeln von Gebeten und der Duft von Räucherstäbchen die Straßen. Vor kleinen Schreinen bringen Familien Blumen, Reis oder rote Tika-Paste als Opfergabe dar und bitten um Schutz und Glück für den neuen Tag.

Für Besucher wirkt diese tiefe Spiritualität oft allgegenwärtig. Für die Menschen in Nepal ist sie hingegen ein selbstverständlicher Bestandteil ihres täglichen Lebens.

Das Kastensystem – offiziell abgeschafft, aber noch immer spürbar

Obwohl das Kastensystem gesetzlich längst abgeschafft wurde, beeinflusst es vielerorts noch immer das gesellschaftliche Leben. Besonders in ländlichen Regionen bestimmen Herkunft und soziale Stellung häufig den Beruf, die Partnerwahl oder den gesellschaftlichen Umgang miteinander.

Vor allem Angehörige niedriger Kasten erfahren bis heute Benachteiligungen, obwohl Diskriminierung offiziell verboten ist. In den Städten verändert sich diese Entwicklung langsam, doch auf dem Land halten sich viele traditionelle Vorstellungen bis heute.

Feste als Ausdruck der Gemeinschaft

Kaum ein anderes Land feiert so viele religiöse Feste wie Nepal. Das bedeutendste Hindu-Fest ist Dashain, bei dem Familien aus dem ganzen Land zusammenkommen. Ältere segnen ihre Kinder und Enkel mit roter Tika und Reis, während Opfergaben und gemeinsames Essen die Feiertage prägen.

Ebenso farbenfroh ist Tihar, das Lichterfest Nepals. Besonders beeindruckend ist dabei, dass an verschiedenen Tagen nicht nur Menschen geehrt werden, sondern auch Tiere wie Krähen, Hunde und Kühe – jedes Tier besitzt nach hinduistischem Glauben eine besondere spirituelle Bedeutung.

Ein persönlicher Gedanke

Die Wochen, die ich mit meinem Gastgeber und Reisebegleiter, Ghanshyam, reiste, lehrten mich, dass Traditionen hier weit mehr sind als alte Bräuche. Sie bestimmen den Alltag, geben den Menschen Orientierung und stiften Gemeinschaft. Manche davon erfüllen mich mit großer Bewunderung, andere – wie die Ausgrenzung menstruierender Frauen – haben mich tief betroffen gemacht.

Mit diesen Gegensätzen und meinem westlich geprägten Verständnis von der Rolle der Frau wurde ich auch auf meinen späteren Reisen durch Indien und Pakistan immer wieder konfrontiert. Sie haben mich nachdenklich gemacht und meinen Blick auf andere Kulturen nachhaltig geprägt.

Balthali Village

27/28. März 2014

Von Dhulikhel aus sind wir weiter südlich nach Balthali gefahren. Dort hatte Ghanshyam bereits Zimmer für 2 Nächte reservieren lassen. Der Ort selbst liegt auf ca. 1600 m Höhe und man kann, klare Sicht vorausgesetzt, einen grossen Teil der Gebirgskette des Himalaya nach dem Sonnenaufgang erkennen.

Am nächsten Morgen ging es vom Langtang View Resort mit einem Jeep auf 2500 m Höhe zu den Bergdörfern. Die Fahrt war mehr als abenteuerlich; die gesamte Strecke schlängelte sich der Jeep durch enge Serpentinen den Berg hinauf und so einige Male schien mir, als ob der Jeep die Steigung nicht mehr schaffen könnte. Am Hotel heile angekommen wurde ich mit einem traumhaften Blick auf die Gebirgskette belohnt … Die Übernachtung schlug zwar mit 80 US $ pro Nacht pro Zimmer zu Buche, was nicht ganz preiswert war aber dafür bekam ich einen herrlichen Ausblick auf die wunderschöne Berglandschaft und die tolle Bewirtung im Resort war es auch wert.

Sicht auf Balthali und Umgebung

Ländliche Idylle

Das Dorf wird von den Tamang bewohnt, einer indigenen ethnischen Gruppe in Nepal. Sie sind eine Tibeto-Burman-Gruppe, die meistenvon ihnen sind Buddhisten. Das Wort “Tamang” bedeutet eigentlich “Pferdehändler” aber das war wohl wesentlich früher die hauptsächliche Einkommensquelle, jetzt prägt mehr Landwirtschaft und Viehzucht die Gegend . Die Menschen sind äußerst gastfreundlich

Von unserem Resort aus besuchten wir ein benachbartes Dorf , von dem es heisst, dass es einst ein Hotspot für Maoisten gewesen sein soll. In einem der Privathäuser war es möglich, einen Imbiss zu bekommen und so bekam ich auch gleich einen Einblick in das ländliche Leben. Es öffnete sich mir eine Welt, in der die Zeit scheinbar stillgestanden ist, und die Menschen mit sehr wenig wirklich zufrieden zu sein scheinen .

Im Dorfleben in Nepal geht es nicht um „mehr, größer und besser“. Worauf es hier ankommt sind die starken familiären Bindungen, die Möglichkeiten der Selbstversorgung, die Aufrechterhaltung von Traditionen und das Leben in ” diesem Moment”. Dieses eigenartige Gefühl, meiner europäischen Welt völlig entrückt zu sein, hatte ich schon einmal sehr intensiv auf einer meiner ersten Reisen nach Asien erlebt. Hier wurde mir wieder einmal sehr bewußt, dass der Mensch eigentlich nicht viel zum Leben braucht, um zufrieden zu sein.