05. April 2014
Mit schwerem Herzen verabschiedete ich mich an diesem Tag von Meethu, den beiden Mädchen und der Haushälterin; es war Zeit, nach Kathmandu zurückzukehren, da ich am nächsten Morgen weiterfliegen wollte – mein nächstes Ziel sollte Indien sein. Ein letztes Mal gab es eine leichte nepalesische Mahlzeit … wie mir Meethu verriet, handelte es sich um gedünstetes Dschungel- kraut, das vom Aussehen her zumindestens ein wenig Ähnlichkeit mit Spinat hatte, dazu gab es noch Chapati und ein wenig Reis.
Mit der gleichen Airline, mit der wir nach Pokhara geflogen waren, ging es nun von dem kleinen Flughafen in Bharatpur (Chitwan) wieder zurück nach Kathmandu.


Die letzten Stunden verbrachte ich noch mit einem kleinen Einkaufsbummel in Thamel und dann ging es ans Kofferpacken. Ein wenig ausruhen, die neuesten Bilder waren noch auf Ghanshyams Laptop zu übertragen, danach hiess es früh schlafen gehen.
Mein Flug mit Spicejet von Kathmandu nach Delhi, der Hauptstadt von Indien, war glücklicherweise nicht allzu früh am Morgen, sodass ich noch in aller Ruhe mein Frühstück zu mir nehmen konnte und auch noch ein letztes Mal mich in aller Ruhe mit Ghanshyam unterhalten konnte. Am Abend, nach unserer Rückkehr kam es nämlich zu einem sehr unangenehmen Gespräch, und zwar stellte Ghanshyam für meine Begriffe eine überhöhte Forderung für seine Dienstleistung. Dazu kam noch, dass man von mir erwartet hatte, eine großzügige Spende für die Schule in Bajarhatti zu hinterlassen. Ich war zwar bereit, ihn für seine Begleitung auf der 3 wöchigen Tour zu entlohnen, aber seine Forderung schien mir doch ziemlich unangemessen hoch zu sein.
Ausserdem war ich ja bei der Reiseplanung davon ausgegangen, dass er bei der Kalkulation der Reisekosten auch sein Entgelt bereits mit einberechnet hatte, was ersichtlich eine Fehleinschätzung von mir war.
Aus Erfahrung wird man klug
Es war das erste Mal, dass ich mich auf eine Reise begab, bei der ich die Planung und Gestaltung jemanden anderem überlassen hatte, nämlich besagtem Ghansyham, den ich, wie ich schon erwähnte, über eine Webseite für Weltenbummler kennengelernt hatte. Er hatte mich richtig auf den Geschmack gebracht; sein Angebot, mein Gastgeber und gleichzeitig mein ganz persönlicher Reiseleiter sein zu wollen, erschien mir sehr verlockend, und so willigte ich ein.
Ich hatte zwar zu Beginn konkret nach etwaigen Kosten der ausgearbeiteten Reiseroute gefragt und auch eine Art Kostenvoranschlag bekommen, aber was er für seine „Dienstleistung als Reiseleiter“ erwartete, darüber hatte er sich ausgeschwiegen.
Dass ich ihn entschädigen müsste, das war mir schon klar und ich hatte vorgehabt, dieses am Ende der Reise zu tun, aber die Forderungen, die er zum Schluss erhob, waren dann doch für meine Begriffe etwas über das Ziel hinausgeschossen.
Ich hatte wohl offensichtlich sein Angebot, als Gastgeber und Reisebegleitung tätig zu sein, zu freundschaftlich bewertet und mich nicht entsprechend genügend mit der Frage beschäftigt, ob die Einladung von ihm aus purer Freundlichkeit erfolgte, oder ob er sich nicht auch ganz einfach eine gute Verdienstmöglichkeit erhofft hatte. Es war meinerseits Naivität und natürlich Unkenntnis der gesamten Situation, zu glauben, dass alle seine Bemühungen nicht auch ihren Preis haben könnten.
Aus Europa kommend, vielreisend, ausgestattet mit einem soliden, regelmäßigen Einkommen und somit als reich geltend, hatte ich die Hoffnung erweckt, dass ich über die Vergütung hinaus noch als großzügige Sponsorin für die Schule seiner Frau in Frage käme, der ich nicht nachgekommen bin.
Schon gleich zu Beginn und auch später schlug mir Ghanshyam einige Male vor, in seinen Tee- und Kaffeehandel, den er so nebenbei betrieb, einzusteigen. Die Preise schienen mir, wenngleich auch sicherlich für die Qualität gerechtfertigt, sehr hoch und ich ging auf dieses Thema nicht weiter ein. Auch damit hatte ich ihn enttäuscht und so trennten sich unsere Wege auf nicht wirklich gute Art und Weise.
Nach den folgenden Jahren, in denen ich immer häufiger im fernen Asien weilte, erkannte ich zunehmend, wie sehr sich meine eigene Sichtweise durch Leben und Erleben verändert hatte. So schloss ich schließlich auch meinen Frieden mit dem etwas unliebsamen Ausgang meiner Reise nach Nepal, die so gänzlich naiv meinerseits begonnen und für eine ganze Weile einen ziemlich getrübte Erinnerung zurückgelassen hatte.
Jetzt aber, nachdem ich diese Reise noch einmal sehr intensiv durch mein Reisetagebuch durchlebt habe, habe ich den Wert dieser Reise erst wirklich erkannt und blicke mit Dankbarkeit auf diese wunderbaren und auch lehrreichen Tage in Nepal zurück, wenn auch mit ein wenig schlechtem Gewissen.
Erst erhebliche Zeit später war ich in der Lage, zu verstehen und nachzuvollziehen, dass an mich als Touristin aus einem reichen Land kommend nicht nur “Entschädigungsforderungen” gestellt worden waren. Unbedarft und in gewisser Weise auch etwas naiv hatte ich die mir erwiesene Gastfreundschaft als reinen Freundschaftsdienst betrachtet.










































































































