Chitral – Wo Berge und Kulturen aufeinander treffen

Blick auf Chitral

August 2022

Die Umgebung war einfach atemberaubend schön, weshalb wir am liebsten noch ein paar Tage länger geblieben wären. Wir hatten das Glück, die einzigen Gäste zu sein, sodass wir unseren Aufenthalt völlig ungestört genießen konnten und die volle Aufmerksamkeit des Personals bekamen. Wir konnten ja nicht ahnen, dass uns im Ayun Fort eine ähnliche Unterkunft erwartete.

Vom Nagar Fort fuhren wir am nächsten Morgen über die Hängebrücke wieder auf die andere Seite des Chitralflusses, der sich bis zum Bumburet Valley schlangenförmig durch die Täler windet.Bumburet ist das größte Tal von Kalasha Desh im Bezirk Lower Chitralin der Provinz Khyber Pakhtunkhwa.

Eingebettet in die beeindruckende Bergwelt des Hindukusch liegt Chitral, eine Stadt im äußersten Norden Pakistans. Umgeben von schroffen Gipfeln und tief eingeschnittenen Tälern hat sich die Region über Jahrhunderte eine eigene kulturelle Prägung bewahrt. Zu den markantesten Bauwerken der Stadt zählt die Shahi Masjid mit ihren charakteristischen grünen Kuppeln und eleganten Minaretten. Sie ist nicht nur ein bedeutendes religiöses Zentrum, sondern auch ein Wahrzeichen Chitrals.

Die Shahi-Moschee wurde 1924 von Mehtar aus Chitral – Shuja ul Mulk erbaut und symbolisierte die Blütezeit des Islam in der Region

Rund 40 Kilometer südwestlich der Stadt beginnt das Bumburet-Tal, das größte und bekannteste der drei Kalash-Täler. Die Fahrt dorthin führte durch eine atemberaubende Berglandschaft mit terrassierten Feldern, Obstgärten und kleinen Dörfern. Hier lebt die Kalash-Gemeinschaft, eine religiöse und kulturelle Minderheit, die sich viele ihrer traditionellen Bräuche und Feste bis heute bewahrt hat. Sie unterscheiden sich von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit nicht nur durch ihre animistische Religion sondern durch ihre für diese Region einzigartige Traditionen.

Die Kalash sind eine kleine, indo-arische indigene Volksgruppe, die im Distrikt Chitral in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa beheimatet ist. Sie gelten als einzigartig unter den Völkern Pakistans und bilden dessen kleinste ethnisch-religiöse Gruppe.Heute gehören nur noch etwa 3.000 Menschen dieser Ethnie in Pakistan an.

Sie sind vor allem für ihre farbenfrohen Trachten, ihre Musik und ihre lebendige Festkultur bekannt. Mehrmals im Jahr feiern sie traditionelle Feste, bei denen Tanz, Gesang und gemeinschaftliche Rituale eine zentrale Rolle spielen.

Wer sich mehr für diese Volksgruppe interessiert, siehe hier: https://qantara.de/node/20707

Ayun Fort Inn

Unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit war das Gästehaus Ayun Fort -inmitten einem wunderschönen Garten mit atemberaubenden Blick auf den imposanten Tirich Mir, dem höchsten Gebirge im Hindukusch.

Dieses reizvolle Gästehaus – das Zuhause von Prinz Maqsood Ul Mulk – befindet sich auf dem Gelände der alten Festung von Ayun, am Eingang zu den Kalash-Tälern und ist nur eine Stunde von Chitral entfernt. Nach der Besichtigung der Shahi Moschee machten wir uns also auf den Weg zu diesem Gästehaus. Schon allein die Fahrt dorthin belohnte uns mit einer grossartigen Kulisse, an der ich mich nicht sattsehen konnte.

Genauso hatte ich es mir vorgestellt … zwischen den zerklüfteten Gipfeln des Hindukusch liegt das Ayun Fort Inn — umgeben von Terrassenfeldern, Pfirsichbäumen und dem besständigen Murmeln kleiner Bäche.

Neugierig aber dennoch mit einer gewissen Scheu uns Fremden gegenüber lugten hinter einem Mauervorsprung Mädchen unterschiedlichen Alters hervor. Erst als unseren männlichen Begleiter ausser Sicht waren, trauten sie sich näher an uns drei Frauen heran. Ich gab ihnen ein paar Süßigkeiten, die ich wohlwissend, dass dies immer Kinderherzen erwärmt, im Voraus aus Deutschland mitgenommen hatte.

Es ist eine Freude, zu sehen, wie einfach es ist, Kinder glücklich zu machen

Chitral-Gol-Nationalpark

Unser nächstes Ziel war der Chitral-Gol-Nationalpark, der etwa zwei Autostunden von der Stadt entfernt liegt. Um den Nationalpark zu erreichen, mussten wir einen sehr schmalen und aus unserer Sicht gefährlichen Weg bewältigen. Unser Fahrer hatte die Abzweigung zum Park verpasst und nutzte die nächste Kurve, um zu wenden. Dieses Wendemanöver wird mir ewig in Erinnerung bleiben, denn zwei meiner Freunde gerieten nicht nur in Panik sondern waren auch sehr verärgert über die “Leichtsinnigkeit” unseres Fahrers. Nachvollziehbar war ihre Angst schon, denn es waren nur wenige Zentimeter, die unser Fahrzeug vom Abgrund in die Tiefe trennte.

Ich behielt die Nerven, denn ich hatte ziemlich schnell erkannt, dass Saqib, unser Fahrer, alles andere als leichtsinnig war, sondern ein erfahrener Fahrer, der die Tücken dieser schmalen Wege, die man nicht wirklich Strassen nennen konnte, kannte und meisterte. Für eine Weile herrschte etwas Missstimmung bei einem meiner Freunde und mir, denn ich hatte ganz spontan den Fahrer verteidigt … hauptsächlich aus dem Grund, dass wir ihn nicht auch noch nervös machten.

Als wir schliesslich den Parkplatz erreichten, fühlte sich eine meiner Freundinnen unwohl. Ich vermutete, dass dies erste Anzeichen der Höhenkrankheit sein könnten, da dies bei untrainierten wie uns bereits ab einer Höhe von 1500 m auftreten kann.
Vom Gästehaus aus kommend hatten wir mit dem Auto innerhalb recht kurzer Zeiteinen Höhenunterschied von etwa 1500 m zurückgelegt, deshalb rieten wir ihr, sich auf einem der Rastplätze auszuruhen, währen wir ein wenig durch den Park streifen wollten.

Der Gol Nationalpark gilt als ein Refugium für Bergwildtiere und ein Ort stiller, unberührter Natur. Dichte Wälder aus Eichen und Fichten wechseln sich mit alpinen Weiden und felsigen Hängen ab, in denen seltene Arten wie der Schneeleopard, der Markhor und verschiedene Hirscharten Schutz finden.

Wir hatten leider nicht das Glück, eines dieser seltenen Arten zu Gesicht zu bekommen, dazu war unser Tagesausflug zu kurz. Ausserdem wollten wir unsere Freundin nicht zu lange auf uns warten lassen und kehrten alsbald zu dem Rastplatz zurück um zu sehen, ob sie sich mittlerweile erholt hatte. So konnten wir wenigstens den Nachmittag in dem herrlichen Garten des Gästehauses verbringen und die wunderschöne Aussicht bei einer Tasse Tee und pakistanischem Snack, einer süßem Variante von Paratha, geniessen.


Unsere Zimmer waren recht komfortabel und gemütlich eingerichtet; traditionelle Textilien, warme Decken und einfache Möbel sorgten für Behaglichkeit, die wir uns nach unserem Ausflug verdient hatten. Nach einem reichhaltigen und sehr leckeren Abendessen genossen wir vom Restaurant aus nochmals den herrlichen Blick auf das Tal und tankten neue Energie für den nächsten Tag.

Autor: Zahra Awada

Reisen bedeutet für mich Freiheit – die Möglichkeit, dem Alltäglichen zu entfliehen, meinen Horizont zu erweitern und mich lebendig zu fühlen. Unterwegs habe ich gelernt, offen für neue Erfahrungen und Begegnungen zu sein. Diese Offenheit hat mir geholfen, mich von Konventionen und Vorurteilen zu lösen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Jede neue Reise erfordert Mut: den Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen, Neues auszuprobieren und mit Menschen in Kontakt zu treten. Gerade darin liegt für mich ihr besonderer Reiz. Die Erinnerungen an meine Reisen sind für mich von unschätzbarem Wert – sie bleiben lebendig und begleiten mich ein Leben lang. Nach vielen Jahren im medizinischen Bereich habe ich meinen Beruf aufgegeben. Seitdem genieße ich die Freiheit, das Leben bewusst zu erleben und die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Dankbarkeit zu betrachten.

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