Von Delhi mit dem Zug in das Herz von Rajasthan
Drei Wochen lang sollten wir tief in die faszinierende Welt Rajasthans eintauchen– gemeinsam mit sechs weiteren Teilnehmern auf einer abwechslungsreichen Gruppenreise durch den farbenprächtigen Westen Indiens. Zwischen prachtvollen Palästen, lebhaften Basaren, endlosen Wüstenlandschaften und jahrhundertealten Festungen begegneten wir einer Region voller Kontraste und Geschichten.
Wir fuhren mit dem Zug von Delhi nach Jaisalmer, der ´Goldenen Stadt` inmitten einer Wüste, durch Jaipur mit seinen rosa getünchten Häusern, durch die blau gestrichenen Gassen von Jodhpur und schließlich bis Varanasi, der heiligen Stadt am Ganges. Jeden Tag gab es etwas Neues zu sehen, und trotz der vielen Stationen blieb immer Zeit für spontane Gespräche, gemeinsames Staunen und Erleben, das bei einer Reise in einer kleineren Gruppe eher Raum für intensivere Erfahrungen lässt .
Im Land der Könige und Paläste
01.September 2017
Am Morgen wechselte ich vom Hotel Prime Balaji in New Delhi zum Hotel Perfect in Karol Bagh, wo ich mit den restlichen Teilnehmern der Reisegruppe von Intrepid für die 22 tägige Rundreise untergebracht worden war.
Da ich erst gegen Mittag mein Zimmer nutzen konnte, genehmigte ich mir ein Frühstück auf der gemütlichen Dachterasse des Hotels – das sind kleine Reisküchlein, sowie ein gut gewürztes Omelett und Masala Chai, ein stark gesüsster Tee mit Milch und typischen indischen Gewürzen


Das Hotel ist bei Reisegruppen beliebt, weil es zentral liegt und preislich zu den Low Budget Hotels zählt. Mein Zimmer war einfach eingerichtet, verfügte über eine funktionierende, wenn auch etwas laute Klimaanlage, ein sauberes Bett und ein ordentliches Badezimmer.
Um 18:00 fand das erste Treffen mit den anderen Teilnehmern der bevorstehenden Rundreise statt. Drei der Teilnehmer kamen aus Australien, drei weitere aus Grossbritannien und dazu meine Person. Ich hatte arge Schwierigkeiten, das “Aussie-Englisch” zu verstehen, obwohl ich die Englische Sprache gut beherrschte. Auch Harshita, unsere Reiseleiterin, konnte ich manchmal nicht folgen, da sie für mein Verständnis zu leise sprach und dazu eher einen australischen Akzent hatte, was wohl darauf zurückzuführeen war, dass sie hauptsächlich Reisende aus Australien betreute.
Nachdem der formelle Teil ausreichend besprochen war, konnten wir nun unsere erste gemeinsame Mahlzeit in einem netten kleinen Restaurant einnehmen und uns so zwanglos miteinander bekannt machen.
Am nächsten Morgen begannen wir mit der Erkundungstour in Delhi, die uns zunächst erst einmal nach Alt-Delhi führte, wo wir die Freitagsmoschee besichtigten. Anschliessend fuhren wir mit einer Fahrradriksha weiter zum bekannten Gewürzmarkt in Khari Baoli.




Gewürze wie Kumin, gemahlener Koriander, Fenchel ,schwarzer Pfeffer und natürlich Chilli in riesengroßen Mengen werden hier angeboten. Die Auswahl ist grenzenlos. Dies war ein absolutes Erebnis für unseren Geruchssinn … aus allen Ecken strömte das intensive Aroma von Chilischoten, Currypulver, Kumin und Pfeffer und frisch gemachlenem Koriander.

Von Gewürzmarkt aus gelangten wir leicht zu Fuß zum Sikh Tempel Gurudwara Sis Ganji Sahib, einem der neun historischen Gurudwaras in Delhi.
Der Tempel liegt im Herzen von Chandni Chowk in Alt-Delhi und ist ein wichtiger Sikh-Tempel, der zu Ehren des 9.ten Gurus Tegh Bahadur erbaut wurde. Zu dieser Zeit regierte Aurangzeb, der dritte Sohn von Mogul Shah Jahan. Aurangzeb verfolgte eine orthodoxe islamische Politik und zerstörte viele hinduistische Tempel. Viele Muslime und Hindus wandten sich dem Sikhismus zu, was der Mogul-Kaiser als Bedrohung für seine Herrschaft ansah und ließ so unter anderem den Guru im Jahr 1675 hinrichten, da dieser sich geweigert hatte, zum Islam zu konvertieren.
Wie in jedem Sikh Tempel ist auch hier die Langar-Küche, die Gemeinschaftsküche, zu finden. Gemeinsames kostenloses Essen erfüllt zentrale religiöse, soziale und ethische Funktionen in der Sikh Religion. Hier wird Gleichheit aller Menschen praktiziert, unabhängig von Kaste, Klasse, Geschlecht oder Religion – alle essen zusammen. Der Dienst am Mitmenschen in Form von ehrenamtlicher Hilfe beim Kochen, Servieren und Reinigen und allgemeine Gastfreundschaft ist ein wesentliches Element in der Sikh Religion, die Kastenhierarchien, Aberglauben und Ritualismus gänzlich ablehnt. Der Glaube an einen formlosen, einzigen Gott im monotheistischen Sinne und die Betonung von der Gleichheit der Menschen sind zentrale Themen.
Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, denn unser nächstes Reiseziel war Jaisalmer, eine Stadt inmitten der Thar Wüste, deren Sanddünen bis zu 150 Meter hoch sein sollen. Die Zugabteile in Indien sind in verschiedene Klassen unterteilt, ähnlich wie in Europa, also in 1. und 2. Klasse, aber es gibt auch eine 3. Klasse und zusätzlich noch die Schlafabteile, die wiederum auch in Klassen unterteilt sind.


Die Zugfahrt dauerte knappe 19 Stunden, d. h. dass wir erst gegen Mittag am nächsten Tag in Jaisalmer ankommen sollten.
Schon während der Zugfahrt stellte sich heraus, dass sich Gruppen bildeten und ich in gewisser Weise aussen vor war und künftig auch bleiben sollte. Chewie, eine in England lebende Malaysierin hatte bemerkt, dass ich während der langen Fahrt relativ isoliert geblieben war. Während die restlichen Teilnehmer sich in ihre Abteile zurückgezogen hatten und wohl schon schliefen, unterhielt sie sich mit mir … sie konnte ebenso wie ich auch nicht schlafen; so verging schliesslich die Fahrt doch relativ schnell.
Ein Taxi brachte uns zu unserem Guesthouse, dem Deepak, wo wir nur unser sperriges Gepäck abgaben, denn es sollte am Nachmittag direkt zu den Sanddünen gehen, wo wir über Nacht auf einem Campingplatz zelten wollten.
Und was wäre ein Ausflug zu den Sanddünen ohne ein Ausritt hochoben auf dem Rücken eines Kamels ….