Jede Reise geht einmal zu Ende

2014 Sri Lanka

Donnerstag, 01. Mai 2014

Es ist soweit, der Tag meiner Abreise war gekommen.
Da ich erst um 21:00 abfliegen würde, hatte ich noch mehr als einen halben Tag Zeit, den ich im Hotel verbringen konnte.
Mein übliches Reisefieber hatte mich schon wieder gepackt; gegen 07:00 wurde ich wach, an Schlafen war nicht mehr zu denken, so genoss ich es noch einmal, an den Strand zu gehen, den Wellen eine Weile zuzuschauen und die reine Seeluft einzuatmen.


Mit dem Manager vereinbarte ich, dass ich gegen einen Aufpreis von 25% des Preises, den ich normalerweise für eine Übernachtung zu zahlen hätte, das Zimmer noch bis zum Nachmittag nutzen dürfte.
Auf diese Weise war es es mir noch möglich, einen kurzen Abstecher nach Hikkaduwa zu machen, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen und Geld von einer ATM Maschine zu holen.
Ich fuhr mit dem normalen Bus nach Hikkaduwa, das nur 3 km vom Hotel entfernt liegt, schlenderte an den vielen Geschäften an der Hauptstrasse entlang und entdeckte zum Schluss eine kleine Milchbar, in der ich mir einen leckeren Joghurt aus Büffelmilch genehmigte.

Ich erinnerte mich aus früheren Urlauben in Sri Lanka, dass dieser Joghurt weniger säuerlich, dafür aber fettreicher war und ich damit meinen beginnenden Hunger erst einmal stillen konnte. Mit der Besitzerin kam ich in ein nettes Gespräch … sie war richtig erfreut, eine Kundin zu haben und am Ende gab sie mir noch ihre Telefonnummer, für den Fall, dass ich wieder einmal nach Hikkaduwa kommen sollte.
Gegen 12:00 kehrte ich langsam in mein Hotel zurück, um meine Rechnung zu bezahlen. In  der ganzen Woche hatte ich nicht eine einzige Rechnung für das Essen abgezeichnet und ich erwartete eigentlich, dass beim Erstellen der Gesamtrechnung irgendwo ein Fehler zu finden sei, aber es war alles absolut korrekt abgerechnet worden und der Besitzer des Hotels hatte mir sogar noch freundlicherweise den vereinbarten 25 %igen Zimmeraufschlag erlassen.

Meine Koffer hatte ich bereits am Vorabend weitestgehend gepackt, so blieb mir sogar noch genug Zeit für eine leckere Fischmahlzeit und einen frisch zubereiteten Mangosaft, bevor mich dann der Fahrer des “Taxis “, das sich als grosser Van erwies, abholte.
Alle Angestellten, angefangen vom Koch, dem Masseur, dem Zimmermädchen sowie der Besitzer selbst verabschiedeten sich händeschüttelnd, wünschten allesamt eine gute Heimreise und dass ich bald wiederkommen möge.
                                                        

AYUBOWAN SRI LANKA

Die Fahrt nach Colombo verlief ohne Verzögerungen;  ich kam sehr frühzeitig am Flughafen in Colombo an, was mir noch Gelegenheit gab, nach ein paar Souvenirs zuschauen, bevor ich mich zum Check-in begeben musste.

Viele alleinreisende singhalesische Frauen waren zu beobachten, die sich von ihren Familien, zum Teil unter reichlich fließenden Tränen verabschiedeten. Sie begaben sich nicht wie ich auf einen Heimflug, sondern waren auf dem Rückweg zu ihren Arbeitsstätten … entweder nach Saudi Arabien, Kuwait, Bahrain oder in die Vereinigte Arabische Emirate: Die meisten von ihnen wohl als “housemaid” also als Dienstmädchen, und dies bedeutete, dass sie sehr wahrscheinlich ihre  Familien für viele Monate oder sogar für ein ganzes Jahr nicht sehen würden.

Wieder kamen mir der Gedanke, wie reich ich beschenkt war, dass ich gerade durch diese Erlebnisse noch mehr Dankbarkeit verspürte, Reisen in ferne Länder unternehmen zu können. Meine Sicht auf das Leben hatte sich dadurch ganz allmählich verändert und in gewisser Weise eine Bescheidenheit hervorgerufen, die später noch einmal mir als ganz besondere Charaktereigenschaft zugeschrieben wurde – das war viele Jahre später, als ich für einige Zeit in Pakistan bei einer pakistanischen Familie lebte.

Der Rückflug ging zunächst mit der Airline Etihad nach Abu Dhabi, wo ich einen Aufenthalt von gut 2 Stunden hatte, der sprichwörtlich wie im Fluge verging. Ich lief durch die großzügig gestalteten Einkaufspassagen vom Flughafen und bestaunte die riesige Auswahl an Schmuck- bzw. Juwelierläden, Geschäfte für elektronische Geräte, Souvenirläden, Duty Free Shops, Parfümerien etc.,  Läden für einen jeden Geschmack und Geldbeutel.

Der Anschlussflug von Abu Dhabi mit Etihad Airlines dauerte etwas mehr als 6 Stunden, die mir lange vorkamen. Die Temperatur im Flugzeug war eisig; trotz warmer Bekleidung und zwei Decken fror ich immer noch heftig … ich befürchtete, dass mein Kehlkopfkatarrh, den ich noch nicht gänzlich auskuriert hatte, sich neuerlich verschlechtern würde.

Beim Landeanflug gegen 06:00 am nächsten Morgen in Frankfurt war schon zu erkennen, dass mich keine wärmenden Sonnenstrahlen erwarten würden, sondern im Gegenteil … Nebel und Nieselregen, also für Norddeutschland ganz typisches Wetter, so wie es die Flugbegleiterin von der besagten Airline wahrscheinlich nur erlebt, wenn in Deutschland Zwischenstation gemacht wurde. 

Nun standen mir noch vier Stunden Zugfahrt bis zum meinem Heimatort bevor; alles in allem hatte ich eine Reisedauer von insgesamt 24 Stunden hinter mich gebracht. Ich ahnte, dass mir ein heftiger Jetlag bevorstehen würde, dem ich am besten erst einmal mit reichlich Schlaf entkam.

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Autor: Zahra Awada

Reisen bedeutet für mich Freiheit – die Möglichkeit, dem Alltäglichen zu entfliehen, meinen Horizont zu erweitern und mich lebendig zu fühlen. Unterwegs habe ich gelernt, offen für neue Erfahrungen und Begegnungen zu sein. Diese Offenheit hat mir geholfen, mich von Konventionen und Vorurteilen zu lösen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Jede neue Reise erfordert Mut: den Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen, Neues auszuprobieren und mit Menschen in Kontakt zu treten. Gerade darin liegt für mich ihr besonderer Reiz. Die Erinnerungen an meine Reisen sind für mich von unschätzbarem Wert – sie bleiben lebendig und begleiten mich ein Leben lang. Nach vielen Jahren im medizinischen Bereich habe ich meinen Beruf aufgegeben. Seitdem genieße ich die Freiheit, das Leben bewusst zu erleben und die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Dankbarkeit zu betrachten.

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