Reisepläne nach Pakistan

Ist das nicht etwas verrückt ?

Mai 2022

Seit einiger Zei trug ich den Gedanken in mir, nach Pakistan zu reisen. Mein Interesse für dieses Land entstand eher zufällig – während einer Tanzdarbietung, bei der ich erstmals bewusst mit dem Gesang der pakistanischen Qawwali in Berührung kam.

Der Begriff Qawwali stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Ausdruck“ oder „Ausspruch“. Er bezeichnet die Andachtsmusik der Sufis, jener mystischen Strömung im Islam, die das Göttliche durch Musik, Poesie und Hingabe erfahrbar machen möchte. Qawwali ist weit mehr als Gesang – es ist ein gemeinschaftliches Ritual, das eine Brücke zwischen Musikern und Zuhörern schlägt und emotionale wie spirituelle Zustände hervorrufen kann.

Die rhythmischen Strukturen, das Zusammenspiel von Stimme, Harmonium, Tabla und Handklatschen sowie die sich steigernde Intensität der Darbietung ziehen alle Anwesenden in ihren Bann. Die Sänger – die Qawwals – verstehen ihre Kunst als spirituelle Mission: Durch ihre Musik rufen sie den Namen Allahs an, getragen von jahrhundertealter Poesie in verschiedenen Sprachen wie Persisch, Urdu oder Punjabi. Die Leidenschaft und Tiefe dieses Gesangs vermag selbst Menschen fern dieser Kultur unmittelbar zu berühren.

Diese erste Begegnung war für mich der Anfang einer inneren Reise. Getrieben von Neugier begann ich, mich intensiver mit Pakistan zu beschäftigen – mit seiner Geschichte, seiner kulturellen Vielfalt und seinen spirituellen Traditionen.

Monatelang las ich Reiseberichte, schaute Dokumentationen und versank irgendwann so tief in der Geschichte und Gegenwart Pakistans, dass die Frage nicht mehr war, ob ich fahre – sondern wann.

Vor allem die Reiseberichte von einem Videoblogger namens “Wildlens by Abrar” https://www.youtube.com/watch?v=YMcMPxezlX0 hatten es mir angetan. Ein pakistanischer Ingenieur, der viele Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hatte, erfüllte sich einen langgehegten Wunsch, mit seinem Motorrad von Deutschland nach Pakistan zu fahren. Neugierig geworden durch diese Videobeiträge auf You Tube war ich nun fest entschlossen, meinen Plan, nach Pakistan zu reisen, in die Tat umzusetzen.

Die reizvolle Landschaft, die gewaltigen Gebirgszüge, die sich durch tiefe Täler ziehen, und das Leben der Menschen, das noch stark von traditionellen Strukturen geprägt ist, all das hatte es mir angetan und meine Neugierde auf dieses so unbekannte Land immer größer werden lassen.

Freunden von mir, die ebenso wie ich auch sehr viel in Indien unterwegs waren, hatte ich von meinem Reisevorhaben erzählt und so beiläufig gefragt, ob sie nicht interessiert wären, mit mir zu kommen. Sie brauchten nicht sehr lange, bis sie sich entschieden hatten: So waren wir dann schliesslich zu Viert trotz der Bedenken, die von vielen um uns herum geäussert wurden :

Pakistan ? Das ist doch verrückt!

Pakistan war für mich ein Land, das vor allem Bilder im Kopf auslöste: schneebedeckte Gipfel, abgelegene Täler und alte Karawanenwege durch gewaltige Gebirge. Doch erst als ich selbst dort unterwegs war, begann ich zu verstehen, wie vielschichtig dieses Land wirklich ist.

Im Norden ragen die gewaltigen Gebirgsketten von Karakorum, Himalaya und Hindukusch in den Himmel. Hier liegt auch der K2, einer der höchsten Berge der Erde. Doch genauso eindrucksvoll wie die Landschaft sind die Begegnungen mit den Menschen: ihre Offenheit, ihre Neugier und eine Gastfreundschaft, die man selten so unmittelbar erlebt.

Pakistan überraschte auf vielerlei Weise. Zwischen den Ruinen der uralten Indus-Zivilisation, lebendigen Basaren und dem Duft würziger Speisen entfaltet sich ein Land voller Geschichte, Farben und Kontraste.

Vielleicht ist Pakistan gerade deshalb so besonders, weil es noch immer ein wenig abseits der großen Reiserouten liegt. Wer sich auf dieses Land einlässt, entdeckt eine Welt voller intensiver Eindrücke – und Geschichten, die lange nach der Reise weiterwirken.

Über das Internet fand ich schließlich eine pakistanische Reiseagentur, die mir sorgfältig eine Route für eine dreiwöchige Rundreise durch den Norden des Landes ausarbeitete. Von Islamabad aus sollte es Richtung Chitral und weiter nach Hunza gehen – eine Strecke, die uns durch einige der eindrucksvollsten Landschaften Pakistans führen würde. Auch ein Tagesausflug in das pakistanisch verwaltete Kaschmir war in der Tour enthalten.

Von Seiten der pakistanischen Behörde wird ein schriftliches Einladungsschreiben verlangt, dass entweder von der jeweiligen Reiseagentur oder einer Privatperson erstellt werden kann, was in unserem Fall unsere Reiseagentur erledigte und mir zugesandt hatte.

Es dauerte nur wenige Tage, bis das Visum, welches ich online beantragt hatte, für mich und meine Freunde ausgestellt war. Von unserm Touragenten hatte ich erfahren, dass wir an einigen Security Checks in den verschiedenen Regionen die Visa vorlegen oder sogar aushändigen müssten. Aus diesem Grund fertigte ich vorsichtshalber von all unseren Visas mehrere Kopien an, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Wie ich herausfand, ist der Monat August die beste Zeit, um in den Norden zu reisen. Ich konnte es kaum erwarten, bis es endlich so weit war: Flugtickets und Visum sowie alle weiteren Dokumente waren vollständig.

Die Reise konnte beginnen.

Autor: Zahra Awada

Reisen bedeutet für mich Freiheit – die Möglichkeit, dem Alltäglichen zu entfliehen, meinen Horizont zu erweitern und mich lebendig zu fühlen. Unterwegs habe ich gelernt, offen für neue Erfahrungen und Begegnungen zu sein. Diese Offenheit hat mir geholfen, mich von Konventionen und Vorurteilen zu lösen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Jede neue Reise erfordert Mut: den Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen, Neues auszuprobieren und mit Menschen in Kontakt zu treten. Gerade darin liegt für mich ihr besonderer Reiz. Die Erinnerungen an meine Reisen sind für mich von unschätzbarem Wert – sie bleiben lebendig und begleiten mich ein Leben lang. Nach vielen Jahren im medizinischen Bereich habe ich meinen Beruf aufgegeben. Seitdem genieße ich die Freiheit, das Leben bewusst zu erleben und die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Dankbarkeit zu betrachten.

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