Backwaters Kerala

14. April 2014

Die Stadt Alapuzha war ab Mitte des 19. Jhs. die bedeutendste Hafenstadt der Backwater-Region. Gewürze, Kaffee, Tee, Cashewnüsse und andere Produkte wurden über ein Netz aus Kanälen und per Eisenbahn von den Wasserwegen im Landesinneren zum Meer transportiert.

Die Strecke von Kovalam Richtung Alapuzzha war wunderschön – sie führte uns an palmengesäumten Ufern entlang der Wasserstraßen und gab mir einen ersten Eindruck von den Backwaters.

Der Ort selbst ist bekannt für besonders schöne Boots-touren, und ich sollte ich nun den Luxus haben, ein kleines Hausboot mit Kapitän, Koch und Bedienung für mich ganz alleine zu haben.

Die Boote, die von Alaphuzza abfahren, führen durch das Labyrinth von Kanälen, Flüssen und Seen, die die Backwaters von Kerala bilden.
Die ursprünglichen Kettuvallams (Boote) wurden verwendet, um Reis und Gewürze nach Kochi zu transportieren. Sie wurden ganz einfach aus dem Holz des Jackfruchtbaumes zusammen mit Kokosfasern gebaut. Der Rumpf von jedem wurde dann mit schwarzem Harz aus gekochten Cashewkernen bestrichen und Bambusmatten für Dächer und Kokosmatten für den Boden verwendet.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Anlegestelle des Hausbootes von Rainbow Cruise, das von der Reiseagentur für mich für eine Übernachtung gebucht worden war. Der Kapitän begrüßte mich persönlich und hieß mich mit einem kleinen indischen Imbiss willkommen.

Während sich das Boot langsam in Bewegung setzte, glitten wir durch ein weit verzweigtes Netz aus Wasserstraßen. Entlang der Ufer reihten sich dichte, palmengesäumte Landschaften, kleine Dörfer und vereinzelte Häuser, die sich idyllisch in die tropische Umgebung einfügten. Das ruhige Dahingleiten auf dem Wasser und die üppige Vegetation verliehen der Szenerie eine beinahe meditative Atmosphäre.

Ich hatte ich nicht nur das Vergnügen, das Hausboot für mich allein zu haben sondern auch noch einen Koch dazu, der mich mit leckerem Essen verwöhnen sollte. Die Dachterrasse war der perfekte Platz, um in aller Ruhe die Landschaft und die herrliche Natur zu geniessen. während der Küchenchef ein köstliches südindisches Curry für mich zubereitete.

Das Boot schipperte gemächlich durch das seichte Gewässer – auf diese Weise war es mir möglich, den Männern bei der Arbeit auf den Reisfeldern und den Frauen bei ihrer Wäscherei am Flussufer zuzuschauen.

Der ganz gewöhnliche Alltag spielt sich hier größtenteils an den Ufern ab, während regelmäßig Lieferboote vorbeifahren, die Waren für den täglichen Bedarf anbieten.

Kokospalmen und üppiges Unterholz säumten die Ufer und manchmal schimmerte das Unkraut in den Kanälen wie ein durchgehendes grünes Meer hindurch.

Was für ein beschauliches Leben …

An einem der zahlreichen Anlegestellen hielt das Boot an, damit ich mit einem lokalen Guide zu einem Dorf gehen konnte, um einen kleinen Einblick in das dörfliche Leben zu bekommen. Ausser ein paar kleineren Kiosks, einem Restaurant und zwei Teestuben sowie Obst- bzw. Gemüse-händler gab es nicht viel zu sehen.

Hier und da begegneten wir ein paar Leuten, die kurz stehen blieben, um mir freundlich zuzuwinken, und aus der Ferne beobachtete ich, wie Frauen ihre Wäsche im Fluss wuschen.

Meine Befürchtung, in den Abendstunden von Mücken geplagt zu werden, hatte sich zum Glück als unnötig erwiesen. Dank Autan war ich gut geschützt und konnte unbesorgt auf dem Deck des Bootes mein Abendessen einnehmen und dabei die vorbeifahrenden Hausbooten beobachten, auf denen es zum Teil lautfröhlich zuging. Ich war froh darüber, dass ich auf dem Boot einziger Gast war und keine lautlärmende Menschenmenge um mich herum ertragen musste.

Das Boot legte irgendwann an einem Ufer an; allmählich verstummten auch die Motorgeräusche der zahlreichen anderen Hausboote. Ich lauschte dem Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Palmen und hörte in der Ferne das leise Trommeln von Einheimischen, die sich für den nächsten Tag auf das bevorstehende Vishu-Fest vorbereiteten.


Vishu markiert in Kerala den Beginn der Frühjahrssaison. Zu diesem Anlass feiern die Menschen eine Art Erntedankfest, das zugleich das astrologische Neujahr der Malayalees einläutet. Der Name „Vishu“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „gleich“ – ein Hinweis auf die Tagundnachtgleiche. Das Fest wird jedoch nicht nur von den Malayalis begangen, sondern hat auch in anderen Regionen Indiens eine Bedeutung.

Malayalis gehören zu einer Bevölkerungsgruppe im südindischen Bundesstatt Kerala und haben eine sehr ausgeprägte kulturelle Identität, die Ausdruck finden unter anderem in ihren Festen wie Vishu oder Onam und dem Kathakali-Tanz. Kathakali ist kein „Tanz“ im westlichen Sinn, sondern eher ein erzählerisches Tanztheater aus Kerala