Periyar – Wo der Dschungel auf das stille Wasser trifft

16. April 2014

Mit dem Auto waren es etwa zwanzig Minuten zum National Park, wo ich die Möglichkeit hatte, an einer Bootsfahrt auf dem Mullaperiyar See teilzunehmen. Es war noch recht früh und die Sicht aufgrund von starkem Nebel anfangs eingeschränkt, die sich aber allmählich verbesserte.

Der Periyar Nationalpark zählt zu Keralas eindrucksvollsten Naturwundern. Im Herzen der Western Ghats gelegen, umschmiegt ein künstlicher Stausee das dichte Grün des Regenwaldes und schafft eine Kulisse, die kaum zu übertreffen ist. Auf unserer Bootsfahrt über den Periyar-See liessen sich zwar keine Elefanten blicken aber dafür Büffel, Wildschweine und unzählige Vogelarten konnte man während der Fahrt beobachten.

Für den Nachmittag stand zunächst der Besuch eines Elefantencamps auf dem Programm, gefolgt von einer Aufführung im Thekkady Kathakali Centre, die den Abschluss des offiziellen Programms in Indien endete.

Kerala ist nicht nur berühmt für seine traumhaften Strände, die weit verzweigten Backwaters, duftenden Gewürzmärkte und zahlreichen Ayurveda-Zentren, sondern auch für seine traditionsreichen Kulturformen wie Kathakali – ein faszinierendes indisches Tanzdrama – sowie Kalaripayattu, eine der ältesten Kampfkunstformen Indiens.

Die über 300 Jahre alte klassische Tanzkunst Kathakali aus Kerala vereint Elemente von Ballett, Oper, Maskenspiel und Pantomime zu einer einzigartigen Ausdrucksform. Erzählt werden große Geschichten aus Mythologie und Vergangenheit. Glauben, Drama, Tanz, Musik und prachtvolle Kostüme verschmelzen dabei zu einem beinahe „göttlichen“ Erlebnis für jene, die sich auf diese Kunstform einlassen. Besonders beeindruckend sind die vielen feinen Details der Darstellung: Jedes Zittern der Lippen, jedes Blinzeln der Augen und selbst die kleinste Fingerbewegung besitzt eine eigene Bedeutung. Musikalisch werden Kathakali-Aufführungen meist von rhythmischen Trommeln begleitet, die die eindrucksvolle Atmosphäre zusätzlich verstärken.

. Die aufwendig geschminkten Gesichter, die prächtigen Kostüme, die langsamen Bewegungsabläufe sowie die intensive Trommelmusik können auf ungeübte Zuschauer zunächst ungewohnt wirken. Gerade diese Andersartigkeit macht jedoch den besonderen Reiz des Kathakali aus und eröffnet einen faszinierenden Einblick in die kulturellen und spirituellen Traditionen Südindiens.

Für europäische Besucher wirkt diese traditionelle Tanzkunst allerdings zunächst oft etwas fremdartig oder sogar eigenwillig. Anders als im westlichen Theater stehen beim Kathakali nicht gesprochene Dialoge oder realistische Bewegungen im Vordergrund, sondern stark stilisierte Gesten, ausdrucksstarke Mimik und symbolhafte Darstellungen

Meine Rundreise in Indien endete damit zwar, aber nun begann der “inoffizielle Teil”. Roy, mein Fahrer und bisheriger Reisebegleiter war von der Agentur beauftragt worden, mich am nächsten Morgen nach Vaikom zu bringen, wo ich bereits von meinem Freund Sunil und seiner Frau erwartet wurde.

Ich war gespannt auf die Begegnung mit ihm, den ich ebenso wie Ghanshyam aus Nepal über die Travellerseite WAYN kennengelernt hatte.

Von Alappuzha in die Cardamom Hills – unterwegs durch Keralas grüne Seele

15. April 2014

Die Straße schlängelte sich in engen Kehren den Berg hinauf, und je höher wir kamen, desto weiter ließen wir die schwüle Küstenebene hinter uns.

Jede Kurve wurde mit neuen Ausblicken belohnt: Endlose Teeplantagen breiteten sich vor uns aus, kunstvoll in Terrassen angelegt und in einer solchen Präzision geordnet, dass sie fast wie am Reißbrett entworfen wirken. Die sanften Hügel der Cardamom Hills erheben sich bis auf etwa 1300 Meter Höhe – dort liegt auch der Periyar-Nationalpark, ein geschütztes Gebiet, in dem Tiger, große Elefantenherden, Sambarhirsche, Leoparden und seltene Makaken ihren Lebensraum haben.

So weit das Auge reichte, dominierten die sattgrünen Teefelder die Landschaft. Entlang der Straße in Richtung Kumily – einem kleinen, beschaulichen Ort in den Cardamom Hills – wechselte die Vegetation stetig ihr Gesicht: von Kokospalmen, Bananenstauden, Jackfrucht- und Papayabäumen sowie Kautschukplantagen hin zu Kakao, Kaffee und Tee. Schließlich trat auch Kardamom hinzu, dessen aromatische Pflanzen zur Familie der Ingwergewächse gehören und der Region ihren unverwechselbaren Duft verleihen.

Bei einem Zwischenstopp in Pattumala, wo sich eine malerisch gelegene Kirche befindet, bot sich mir die Gelegenheit, den Teepflückerinnen aus nächster Nähe bei ihrer Arbeit zuzusehen. Es ist eine mühsame und körperlich anspruchsvolle Tätigkeit, und der Verdienst ist mit etwa 10 Euro pro Tag äußerst gering – auch wenn die Arbeiterinnen hier noch besser bezahlt werden als in vielen anderen Bundesstaaten Indiens.

Der Besuch eines Gewürzgartens unweit meiner nächsten Unterkunft gehörte zum Programm, bevor ich schließlich zum Hotel Greenwood Resort in dem kleinen, beschaulichen Ort Kumily gebracht wurde.

Bereits beim Betreten des Resorts hatte ich das Gefühl, mich nicht in einem klassischen Hotel, sondern in einer sorgfältig gestalteten tropischen Gartenanlage zu befinden. Ein schmaler Weg führte mich an dichtem Grün, exotischen Pflanzen und hohen Bäumen vorbei zu meinem Apartment – ihre Blätter bildeten ein schützendes Dach und ließen das Licht nur sanft hindurch.

Das Hotel gefiel mir außerordentlich gut: Mein Zimmer war komfortabel eingerichtet, und eine kleine „Teebar” mit diversen Snacks lud zum Verweilen ein. Doch zuerst wollte ich die herrliche Gartenanlage erkunden. Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Pflanzen – Palmen, blühende Sträucher und alte, hochgewachsene Bäume schufen eine Atmosphäre, die gleichermaßen lebendig und beruhigend wirkte. Während ich über die verschlungenen Wege schlenderte, hörte ich Vogelstimmen und das leise Rascheln der Blätter. Plötzlich nahm ich ein ungewohnt lautes Geräusch wahr: es war das Zirpen einer Zikade, die ich an einem der Bäume entdeckte.

Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Pflanzen: Palmen, blühende Sträucher und alte, hoch-gewachsene Bäume schufen eine Atmosphäre, die gleichermaßen lebendig und beruhigend wirkte. Während ich über die verschlungenen Wege schlenderte, hörte ich Vogelstimmen und das leise Rascheln der Blätter. Plötzlich nahm ich ein für mich extrem lautes Geräusch wahr, nämlich das Zirpen einer Zikade :