Faszination Nordindien – Delhi erkunden

August 2017

Indien in weniger als 4 Wochen bereisen zu wollen, ist allein wegen der riesigen Entfernungen nicht sinnvoll, das begriff ich erstmals, als ich vor gut 5 Jahren nach Indien gereist war. Ich hatte 7 Tage im Norden und 7 Tage im Süden verbracht, was mir nur einen winzig kleinen Einblick von der Vielfältigkeit sowie den geographischen Dimensionen verschafft hatte, aber ich war neugierig geworden und nicht nur das, sondern wollte mehr über dieses Indien, das mein Herz für Indien erwärmt hatte, erfahren und so plante ich meine nächste Rundreise für den Herbst 2017

Nach einiger Online Recherche entschied ich mich für Intrepid, eine australische Reiseagentur, die einen gut organi-sierten Eindruck auf mich machte, ausserdem war für mich ausschlaggebend, dass sie ihre Touren bereits ab einer Mindestteilnehmerzahl von zwei Personen durchführte. Die große Rajasthan-Rundreise sollte 22 Tage dauern und mir die Möglichkeit bieten, zahlreiche Orte des faszinierenden Bundesstaates kennenzulernen.

Die letzten Reisevorbereitungen für meine fünfwöchige Reise nach Indien waren abgeschlossen- das elektronische Visum war beantragt, die notwendigen Impfungen erledigt und die Auswahl des richtigen Gepäcks getroffen. Meine Pack- und Checkliste hatte ich bereits mehrfach kontrolliert. Ein etwas größerer Koffer sowie ein kleinerer sollten mich begleiten – letzterer insbesondere für die dreiwöchige Rundreise. Hinzu kamen ein Tagesrucksack sowie eine kleine Tasche für die Übernachtung im Camp.

Die Reise komplett selbst zu organisieren, kam für mich nicht infrage, da dies wesentlich mehr Aufwand bedeutet hätte. Allein Zug- und Busfahrten müssen in Indien oft lange im Voraus gebucht werden, damit der Reiseablauf auch tatsächlich reibungslos verläuft.

Ein wenig aufgeregt war ich deswegen , weil ich die Rundreise gemeinsam mit mir völlig unbekannten Teilnehmern antreten würde. Weder wusste ich, wie groß die Gruppe sein würde, noch aus welchen Altersgruppen sich die Mitreisenden zusammensetzten. Meine Befürchtung, dass es vielleicht mit meinen Mitreisenden nicht ohne Reibungen ablaufen könnte, war nicht ganz unbegründet, wie sich später heraustellen sollte.

Flug von Hamburg nach Delhi

28. August 2017

Der Abflug vom Hamburger Flughafen nach Delhi via Moskau mit der russischen Airline Aeroflot startete pünktlich um 13.35 und landete gegen 17:15 auf dem Moskauer Sheremetyevo Flughafen, der mir riesiggroß erschien. Ich fürchtete schon, dass die Transferzeit zu knapp bemessen sei aber die Transferwege zu den einzelnen Terminals waren gut und ausser in kyrillischer Schrift auch in englischer Sprache ausgeschildert. Ich benötigte eine gute halbe Stunde, um zu meinem Abflugterminal für Delhi zu gelangen; die Sicherheitskontrollen waren unkompliziert und schnell erledigt.

Ich hatte wenig Gutes über Aeroflot gelesen; ich war mehr als positiv überrascht von der Pünktlichkeit, den unkomplizierten Check- Ins und dem Komfort in beiden Flugzeugen. 

Die Ankunft am Indira Gandhi International Airport in Delhi erfolgte planmäßig gegen 03:30 Uhr morgens. Als ich das Terminal betrat, schlug mir sofort die feuchte, warme Luft entgegen- ein intensives Gemisch aus Kerosin, würzigen Spices und etwas Undefinierbarem, das typisch indisch wirkte. Das Flughafengebäude war zu dieser frühen Stunde noch relativ ruhig , was auch bedeutete, dass die Einreiseformalitäten mit meinem elektronischen Visum schnell erledigt waren. Schon wenige Minuten später war die Identitätskontrolle – Fingerabdrücke und Gesichtsscan abgeschlossen und ich konnte zur Gepäckausgabe gehen, wo meine Koffer bereits auf dem Laufband zu sehen waren. Jetzt musste ich mich nur noch um den Transfer zum Hotel kümmern.

Da ich versäumt hatte, vorab einen Abholservice über das Hotel zu organisieren, blieb mir nichts anderes übrig, als den offiziellen Flughafentaxiservice zu nutzen. Dieser kostete mit 1200 INR, umgerechnet etwa 17 Euro, ungefähr das Doppelte des üblichen Preises. Nach dem langen Flug fehlte mir jedoch die Energie, mit den zahlreichen Taxifahrern, die sich um mich scharten, zu verhandeln. Es war inzwischen fünf Uhr morgens, und mein einziger Wunsch war es, möglichst schnell ins Hotel zu gelangen, um ein paar Stunden zu schlafen.

Zum Glück durfte ich mein Zimmer sofort nach der Ankunft beziehen, obwohl die reguläre Eincheckzeit gegen 8:00 vorgesehen war. Nach einigen Stunden Schlaf fühlte ich mich wieder fit genug, um einen ersten orientierenden Spaziergang rund um den Connaught Place, das geschäftige Herz Delhis, zu unternehmen.

Das Hotel Prime Balaji Deluxe, das ich für zwei Übernachtungen über ein Internetportal gebucht hatte, liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs New Delhi im Stadtteil Paharganj – für mich ideal, da ich später von dort aus weitere Reisepläne verwirklichen wollte.

Nach der Gruppenreise plante ich noch eine zusätzliche Woche allein in Shimla im Bundesstaat Himachal Pradesh zu verbringen. Schon lange hatte ich den Wunsch, einmal mit einem der berühmten „Toy Trains“ im Norden Indiens zu fahren, und nun bot sich die perfekte Gelegenheit dazu. Weitere konkrete Reisepläne hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Das Hotel gefiel mir gut. Zwar war das Zimmer recht klein, doch für ein oder zwei Nächte völlig ausreichend. Das Personal an der Rezeption war freundlich und hilfsbereit. Innerhalb kurzer Zeit war ich mit einer indischen SIM-Karte von Vodafone versorgt und konnte so, ausgestattet mit GPS Navigationssystem , meine Erkundungstour durch Neu-Delhi beginnen.

1. Tag in Delhi

Delhi ist berüchtigt für seine sogenannten „Touts“ – das sind Schlepper, die an nahezu jeder Straßenecke darauf lauern, ahnungslose Touristen in spezielle Reisebüros oder Geschäfte zu lotsen, um dafür eine Provision zu erhalten.

Obwohl ich auf früheren Reisen bereits Erfahrungen mit solchen Schleppern gesammelt hatte, fiel es mir zunächst nicht leicht, sie auf Abstand zu halten. Kaum hundert Meter war ich gelaufen, sprach mich bereits wieder jemand freundlich an – entweder, um mir angeblich den Weg zu erklären oder um mich vor bestimmten Straßen zu warnen, die wegen Demonstrationen oder Feuerwehreinsätzen gesperrt seien.

Mit meiner anerzogenen Höflichkeit kam ich auf diese Weise allerdings nicht besonders weit. Schließlich beschloss ich, sämtliche Begrüßungen und Fragen konsequent zu ignorieren und meinen Weg unbeirrt fortzusetzen.

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem offiziellen staatlichen Tourismusbüro. Doch am Ende ließ ich mich doch von einem vermeintlich “hilfsbereiten” Mann in ein angeblich staatlich anerkanntes Reisebüro lotsen, wo ich schließlich einen zweitägigen Delhi-Ausflug für umgerechnet 78 Euro buchte – deutlich teurer, als nötig gewesen wäre. Dennoch wollte ich meine begrenzte Zeit nicht mit weiterer Suche vergeuden, denn die beiden Tage vor Beginn der Rundreise wollte ich intensiv für eigene Besichtigungen in Delhi nutzen.

30. August.2017

Erstes Ziel meines Ausfluges war der Laxmi-Narayan-Tempel in Delhi – ein Heiligtum für Vishnu in seiner Erscheinungsform Narayana und dessen Gemahlin Lakshmi, die hinduistische Göttin des Reichtums, des Glücks und des Wohlstands.

Der Tempel, auch als Birla Mandir bekannt, liegt westlich des Connaught Place und ist gut mit Bus, Metro oder Autorikscha erreichbar. Mahatma Gandhi weihte den Tempel unter der Bedingung ein, dass Menschen aller Kasten und Religionen Zugang zum Tempelgelände erhalten sollten.

Der Tempel kombiniert traditionelle hinduistische Architektur mit klaren weißen Marmorflächen und liegt in einer gepflegten Gartenanlage, die sowohl Gläubige als auch Besucher anzieht.

Anschließend besichtigte ich den Qutb-Minar-Komplex, der nicht nur als ältestes Zeugnis islamischer Herrschaft im Raum Delhi gilt, sondern zugleich einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung der indischen Architektur darstellt.

Da ich das Qutb Minar und das Humayoun-Mausoleum bereits ausführlicher in meinem Beitrag über die Sehenswürdigkeiten Delhis beschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle nur einiges zur Geschichte jener Zeit ergänzen.

Humayun, der zweite Mogulkaiser von Delhi, regierte von 1530 bis 1540 und dann erneut von 1555 bis zu seinem Tod im Jahr 1556. Bekannt für seine Liebe zu Kunst und Architektur, legte er den Grundstein für den kulturellen Höhepunkt des Mogulreichs; zugleich sah er sich jedoch politischer Instabilität und militärischen Niederlagen gegenüber – insbesondere verlor er seinen Thron an Sher Shah Suri, einem bedeutenden paschtunischer Herrscher in Nordindien, der das Mogulreich kurzzeitig unterbrach und die Suriden-Dynastie begründete

Seine schließliche Wiedereinsetzung, die durch persische Unterstützung ermöglicht wurde, bereitete den Boden für die legendäre Herrschaft seines Sohnes Akbar. Humayuns Grabmal in Delhi, das von seiner Witwe in Auftrag gegeben wurde, gilt bis heute als Meisterwerk der Mogul-Architektur.

Wer mehr über den Qutb Minar Komplex und das Humayun Mausoleum erfahren möchte, findet den Bericht hier: https://www.diesehnsuchtnachderferne.blog/nordindien-delhi/

Lodi Gartenkomplex 

In den Lodi Gärten, ein Stadtpark über 360.000 qm verteilt, befindet sich das Grab von  Mohammed Shah, das Grab von Sikandar Lodi, Shisha Gumbad und Bara Gumbas.

Es sind architektonische Werke des 15. Jahrhunderts  der Herrscher der Lodi Dynastie, die über weite Teile von Nordindien und Punjab sowie über die Khyber Pakhtunkhwa Provinz des heutigen Pakistan herrschte ( 1451 bis 1526). Der Garten lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein und ist eine kleine Oase in Delhi, der Stadt, der nachgesagt wird, mittlerweile zu den von am stärksten von Luftverschmutzung betroffenen Städten der ganzen Welt zu gehören.

31. August 2017

Heute stand die Besichtigung des Roten Forts in Alt Delhi, des Raj Ghat Denkmals, welches zu Ehren von Mahatma Gandhi errichtet worden war, auf dem Plan und danach ein Besuch des Lotus Tempels und des Akshardam Tempels in  Neu Delhi .

Rotes Fort

Das Rote Fort ist eine Festungsanlage aus der Zeit der Mogulherrschaft in Indien. Sie wurde für den Mogulkaiser Shah Jahan im 17. Jhdt. erbaut und zählt heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Rote Fort gehörte ursprünglich in den Siedlungkern Shahjanabad, der über die Jahrhunderte weg mit weiteren Siedlungskernen verschmolz. Die Festung gehörte mit der Freitagsmoschee zu den Gründungsbauten von dem Großmogul Shah Jahan, der auch den Bau des berühmten Taj Mahal Mausoleums in Agra errichten ließ.

Raj Ghat Memorial

Ein Stück südlich des Forts liegt in einem kleinen Park am Ufer des Yamuna die Verbrennungs- und Gedenkstätte für die bedeutendsten Politiker Indiens. 

Raj Ghat MeRa

1948 wurde hier Mahatma Gandhi eingeäschert, 16 Jahre später Indiens erster Premierminister Nehru und Ghandhis Tochter Indira Ghandi und deren Söhne fanden hier auch ihre letzte Ruhestätte. An jedem Freitag, dem Tag seiner Ermordung wird in einer kleinen Feier Ghandi´s gedacht.

Lotus Tempel

Der Architekt Furiburz Sabha wählte den Lotus als Symbol für Hinduismus,Buddhismus, Jainismus und Islam. Anhänger jeden Glaubens können den Tempel besuchen und darin beten oder meditieren. Der Eintritt ist kostenlos. 

Das Bahaitum ist eine weltweit verbreitete Religion mit rund acht Millionen Anhängern, die sich auf die Lehren des Religionsstifters Bahāʾullāh (1817–1892) berufen und nach ihm als Bahai bezeichnet werden.

In ihrem Ursprungsland, dem Iran, bilden die Bahai zwar die größte religiöse Minderheit, sind aber seit jeher starken Verfolgungen ausgesetzt.  Hauptverbreitungsgebiete heute sind Indien, Afrika, Süd- und Nordamerika. 

Danach ging es zu einem der bekanntesten Märkte in Delhi … dem Dilli Haat, der von der Regierung speziell dafür eingerichtet wurde, Handwerkern eine  Plattform zu bieten, um ihre Waren zu verkaufen. Er vermittelt das Gefühl eines traditionellen Dorfmarktes und bietet eine unglaubliche Vielfalt an Geschäften, Marktständen und zahlreichen kleineren Restaurants, in denen für wenige Rupies leckere Mahlzeiten angeboten werden.

Akshardam Tempel

Er ist der drittgrößte Hindutempel Indiens und zieht Millionen von Touristen und Anhänger einer Sekte an, die von Swaminayaran, einem Yogi und Asketen gegründet wurde. Der Bau des Akshardam Tempels dauerte rund 5 Jahre und ist ein Meisterwerk der Architektur.

Folgende Bilder habe ich einer Broschüre, die im Tempel erhältlich ist, entnommen, da Fotografieren im Tempel selbst nicht erlaubt ist.

https://www.diesehnsuchtnachderferne.blog/eine-reise-durch-das-herz-rajasthans-teil-2/: Faszination Nordindien – Delhi erkunden