Die Nacht in einem Zelt zu dieser Jahreszeit in der Wüste zu verbringen, war alles andere als komfortabel, da es recht kalt geworden war, aber es hatte irgendwie ja auch einen ganz besonderen Reiz gehabt.



In den Abdendstunden, nach einem ausgiebigen Ritt über die meterhohen Dünen, verbrachten wir noch eine Weile am Lagerfeuer und liessen uns von den Kamelführern zubereitetes Abendessen schmecken …. ein einfachen Linsencurry mit Fladenbrot, dass in einer solchen Umgebung natürlich ganz besonders schmeckte.
Am nächsten Morgen kamen wir recht früh in Jaisalmer an. Nicht zu Unrecht trägt die Stadt den Titel „Goldene Stadt“ Rajasthans. Schon von Weitem leuchtete die auf einem Hügel thronende Festung in warmen Gelbtönen und hob sich eindrucksvoll von der kargen Landschaft der Thar-Wüste ab.


Ansicht auf die Festung von Jaisalmer
Besonders beeindruckt haben mich die prächtigen Havelis, die einst wohlhabenden Kaufmannsfamilien gehörten. Ihre Fassaden aus honigfarbenem Sandstein sind überreich mit filigranen Ornamenten, Balkonen und den für Rajasthan typischen Jharokhas verziert. Aus der Nähe betrachtet wirken die feinen Steinmetzarbeiten fast wie Spitze. Sie zeugen vom Reichtum jener Händler, die einst vom Karawanenhandel zwischen Indien, Zentralasien und dem Nahen Osten profitierten.


Ein besonderer Höhepunkt waren die Jain-Tempel innerhalb der Festungsmauern. Ihre reich verzierten Säulen, kunstvoll gestalteten Decken und fein gearbeiteten Reliefs zählen zu den schönsten Beispielen der Jain-Architektur in Rajasthan. Die stille Atmosphäre in den Tempeln bildete einen angenehmen Kontrast zum geschäftigen Treiben in den Gassen.
Die Tempelkomplexe stammen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert und sind für ihre detaillierten Schnitzereien im Dilwara-Stil bekannt.Die Figuren stellen verschiedene Jain-Götter und tanzende Gestalten dar, die aus gelbem Sandstein gefertigt wurden.


Dieser Tempel ist Teil einer Gruppe von sieben miteinander verbundenen Jain-Tempeln in der Festung. Eine Auswahl von Fotografien der Jain-Tempel mit Detailaufnahmen der Steinmetz-arbeiten findet sich in der Fotogalerie hier >>
Untergebracht waren wir im Deepak Guest House, einem kleinen Gästehaus mitten im Fort. Von dort aus ließ sich das Leben in der Altstadt wunderbar beobachten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Abend, an dem wir das Glück hatten, einem einheimischen Musiker zuzuhören, der auf einem Harmonium traditionelle Lieder aus Rajasthan spielte.

Es war keine Darbietung für Touristen, sondern vielmehr ein ungezwungener musikalischer Moment, der die besondere Atmosphäre Jaisalmers für uns auf eindrucksvolle Weise widerspiegelte.