Dezember 2016
Freunde, die ebenso wie ich schon seit mehreren Jahren in Ägypten leben, hatten mich gefragt, ob ich nicht auch einmal nach Goa reisen wolle. Sie haben in Benaulim fast schon ein zweites Zuhause gefunden – und das machte mich neugierig, was Goa so besonders macht, dass man jedes Jahr mehrere Monate dort verbringt.
Ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen, als ich zum ersten Mal in Goa landete. Indien, Strand, Palmen – klingt gut, dachte ich. Aber was mich wirklich erwartete, hat mich völlig überrascht.
Goa ist anders. Indiens kleinster Bundesstaat fühlt sich an wie eine eigene Welt: entspannt, bunt, irgendwie zeitlos. Die portugiesische Vergangenheit steckt überall drin – in den bunten Kolonialhäusern, den alten Kirchen und in der Küche, die Kokosmilch und Gewürze zu etwas absolut Süchtigmachendem vereint.
Die Strände sind natürlich das Herzstück. Im Norden geht’s lebhafter zu – Musik, Shacks, Beachclubs, Nachtmärkte. Im Süden wird’s ruhiger, fast meditativ. Für jeden ist irgendwie etwas dabei, egal ob man feiern, entspannen oder einfach mal abschalten will.

Und dann die Sonnenuntergänge. Ich sage nur: einmal gesehen, nie vergessen.
Benaulim – mein persönlicher Lieblingsstrand
Wenn ich an Goa denke, denke ich zuerst an Benaulim. Kein Vergleich zu den überfüllten Stränden im Norden – hier ist es ruhig, weit und irgendwie unberührt. Morgens ein paar Fischer am Wasser, tagsüber kaum eine Menschenseele, abends ein kühles Getränk in einem der kleinen Strandshacks. Genau das hatte ich gesucht. Wer wirklich abschalten will, ist hier goldrichtig.
Ein Bekannter von meinen Freunden hatte sich bereit erklärt, mich vom Flughafen in Dabolim abzuholen. Während der Fahrt nach Benaulim, das nur knapp 3o km entfernt lag, bekam ich schon erste Eindrücek von der wunderschönen tropischen Landschaft und der gesamten Umgebung
Mein von einem privaten Gastgeber vermietetes Apartment in einer schönen Villa befand sich ganz in der Nähe vom Strand und lag auch nicht weit von der Wohnung meiner Freunde entfernt, die mich noch am gleichen Tag zum Essen bei sich einluden.
Da meine Freunde sich ja schon bestens auskannten, nahmen sie mich am nächsten Tag gleich mit zum Einkauf auf den Municipal Markt, einem bunten Labyrinth aus Ständen, an denen Einheimische Cashews, Kokosöl und feurige Chilis feilboten.
Wer Goa jenseits der Touristenstränden erleben möchte, sollte unbedingt einen Tag in Margao verbringen. Die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates versprüht einen ganz eigenen Charme: portugiesische Kolonialarchitektur trifft auf lebhafte Märkte, wo der Duft von frischen Gewürzen und tropischen Früchten in der Luft hängt. Der Municipal Market ist dabei wirklich ein absolutes Muss


Nachdem ich mich ein wenig an das feuchttropische Klima gewöhnt und auch schon ein paar Tage mit meinen Freunden am Strand verbracht hatte, planten wir einige Ausflüge in die nähere Umgebung. Von Margao aus, der nächstgelegenen größeren Stadt, fuhren täglich Busse in verschiedene Richtungen, somit war es gar kein Problem, die nähere Umgebung zu erkunden.
Panjim – eine Stadt, in welcher die Zeit stehengeblieben zu sein scheint
Panjim hat mich überrascht – so wirkt keine indische Hauptstadt. Keine hupende Megacity, kein überwältigender Lärm, sondern eine kleine, gemächliche Stadt am Flussufer des Mandovi, die sich ihr portugiesisches Erbe bewahrt und gepflegt hat.
Panjim wirkt entspannt und leicht nostalgisch: pastellfarbene portugiesische Häuser, schmale Gassen, Bougainvillea über alten Balkonen, kleine Straßencafés mit langsamem Rhythmus und dem Duft von Kaffee, Meerluft und Gewürzen.
Besonders das portugiesische Viertel Fontainhas hatte eine fast mediterrane Stimmung – kolonial, kreativ, ruhig und etwas verträumt, mit Kopfsteinpflaster, bunten Fassaden und Bars, in denen abends leise Musik aus offenen Fenstern klingt.
Fontainhas ist eine von der UNESCO anerkannte Denkmalzone, die sich durch ihr unverwechselbares, portugiesisch geprägtes Design und ihre lebendige Architektur auszeichnet. Das Wohnviertel ist charakterisiert durch enge Gassen, die Das Design basiert auf einer minimalistischen Raumnutzung, wahrt jedoch stets die Ästhetik – ein Anspruch, der durch den Fokus auf traditionelle goanische Handwerkskunst zum Ausdruck kommt; diese findet sich an Fenstern, Türrahmen, Bögen und Balkonen wieder. Ein Spaziergang durch das Viertel gleicht einer Reise in eine Welt voller Charme der alten Welt und Nostalgie.
Mitten in dieser Kulisse thront die Our Lady of the Immaculate Conception – strahlend weiß, fast unwirklich schön. Ursprünglich wurde hier 1541 eine kleine Kapelle errichtet, damit Seeleute Gott für ihre sichere Ankunft danken konnten, bevor sie weiter nach Alt-Goa reisten. Die heutige Kirche wurde 1619 fertiggestellt und verbindet portugiesisch-barocke mit goanischen Stilelementen – erkennbar an der markanten Fassade mit zwei Türmen und dem zentralen Glockenturm. Die geschwungene Doppeltreppe, die im Zickzack auf die Kirche zuführt, macht sie zu einem der fotogensten Bauwerke ganz Goas – kein Wunder, dass sie von den Einheimischen liebevoll „die Krone von Panjim” genannt wird.

Wir schlenderten gemächlich durch Gassen mit farbenfrohen historischen Wohnhäusern – ockerfarben und blassblau gestrichen, in denen das alltägliche Leben stattfindet, bis wir schliesslich unweit von der Barockkirche in dem l legendären Hospedara Veite Restaurant einkehrten um eine kleine typisch goanisch-portugiesische Mahlzeit zu uns zu nehmen.


Das 1955 gegründete Lokal ist weltberühmt für seine charmanten, winzigen Holzbalkone und vor allem für die skurrilen, bunten Wände voller Graffiti, Signaturen und Botschaften, die Reisende aus aller Welt über Jahrzehnte hinweg dort hinterlassen haben
Ein weiterer Höhepunkt dieses Ausfluges war das Kulturzentrum Sunaparanta, welches im ruhigen Stadtteil Altinho oberhalb von Panjim liegt und zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen Goas gehört.
Untergebracht ist es in einer liebevoll restaurierten portugiesischen Villa mit Innenhof und traumhaft schöner Gartenanlage, die dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre verleiht. Von dort aus bot sich auch ein schöner Blick über die Stadt und den Mandovi-Fluss. Bei einer Tasse starkem Chai, leckerem Vanilletörtchem, einem typisch goanischem Gebäck, genossen wir die Aussicht in dem dazugehörigen Café und verstanden, warum es so viele Touristen hierherzieht und nicht wieder loslässt. Das Flair und die Atmosphäre in Panjim fühlte sich an wie ein europäischer Traum, der sich unter indischer Sonne verlaufen hat.
Anjuna – der lebhafte Gegenpol
Anjuna war für mich der perfekte Kontrast. Felsige Klippen, ein legendärer Flohmarkt, bunte Läden und eine Energie, die man fast spüren kann. Hier erkennt man, wo Goas Hippie-Geschichte herkommt. Ein bisschen chaotisch, ein bisschen laut – aber genau deshalb so lebendig.
Gokarna – der ruhige Bruder Goas
Gokarna fühlte sich an wie ein Ort, der sich dem Tempo der Welt entzieht. Zwischen Palmen, staubigen Gassen und dem warmen Licht der arabischen See bewegt sich alles etwas langsamer. Morgens ziehen Pilger barfuß durch die Straßen zum Mahabaleshwar Temple, während wenige Minuten entfernt Backpacker mit Yogamatten Richtung Strand laufen. Genau diese Mischung macht den kleinen Küstenort so besonders: spirituell, chaotisch und gleichzeitig erstaunlich friedlich.
Anders als im oft rastlosen Goa geht es in Gokarna weniger um Nachtleben und mehr um Atmosphäre. Die Tage verlieren hier schnell ihre Struktur. Man wandert von Bucht zu Bucht, trinkt Chai in einfachen Strandcafés und schaut stundenlang aufs Meer, ohne das Gefühl zu haben, irgendwo sein zu müssen. Besonders rund um Kudle Beach und Om Beach entsteht am Abend eine fast schwerelose Stimmung: Gitarrenklänge, Salz in der Luft und Sonnenuntergänge, die den Himmel für wenige Minuten komplett orange färben.
Trotz der wachsenden Beliebtheit wirkt Gokarna vielerorts noch ursprünglicher als die bekannten Küstenorte Indiens. Zwischen Kühen auf den Straßen, kleinen Tempeln und Fischerbooten bleibt immer spürbar, dass dieser Ort lange vor dem Tourismus existierte. Vielleicht liegt genau darin sein Reiz
Fazit – Warum Goa einfach besonders ist
Goa lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Es ist Strand und Kultur, Party und Stille, Indien und doch irgendwie ganz eigenes. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die Natur – die endlosen Strände, das smaragdgrüne Hinterland, die weichen Sonnenuntergänge über dem Arabischen Meer.
Und das Schönste? Man braucht keinen Plan. Einfach ankommen, durchatmen und schauen, wohin der Tag einen trägt. Goa macht das möglich – und genau das macht es unvergesslich.
Bis zum nächsten Mal, Goa.…




