Chitwan Nationalpark

04. April 2014

Am nächsten Morgen brachen wir, d.h. Ghanshyam, seine Töchter und ich früh zum ChitwanNationalpark auf, welcher im Terai, den südlichen Vorbergen des Himalaya liegt.
CC BY 3.0, Link

Mit seinen knapp 1000 km² war er als Nepals erster Nationalpark 1973 gegründet worden und zählt seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Als wir den Chitwan National Park betraten, hatte ich sofort das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen. Dichte, fast undurchdringliche Wälder wechselten sich mit weiten Grasflächen ab, dazwischen glitzerten träge Flussläufe in der Sonne. Es war eine Landschaft, die gleichzeitig ruhig und voller Leben wirkte.

Am Vormittag war zunächst ein ausgedehnter Elefantenritt durch den Dschungel geplant. Vorbei an Damhirschen und unzähligen Affen führte uns der Mahout zu einer Flussstelle, die wir durchqueren mussten.

Es war offensichtlich, dass die Elefanten das Waten durch den Fluss genossen. Später durften wir noch miterleben, wie eine Herde von Elefanten von einem Mahout ins Wasser geführt wurden, wo sie gemächlich untertauchten, sich gegenseitig nassspritzten – es wirkte fast, als würden sie das Bad genießen wie wir Menschen an einem heißen Sommertag.

Der Mahout erklärte uns, dass dieses Verhalten weit mehr ist als bloßer Zeitvertreib: Elefanten können kaum schwitzen, und so hilft ihnen das Wasser, sich abzukühlen. Der Schlamm, in dem sie sich anschließend wälzen, legt sich wie eine schützende Schicht auf ihre Haut – ein natürlicher Sonnenschutz und zugleich ein wirksames Mittel gegen Insekten.

Im Dickicht des Waldes bot sich uns die seltene Gelegenheit, Panzernashörner zu beobachten – sogar ein Weibchen mit seinem Nachwuchs bekamen wir zu Gesicht.

Von den berühmten bengalischen Tigern, auch als Königstiger bekannt, sahen wir leider keinen einzigen. Einst gab es rund 40.000 dieser majestätischen Tiere, doch durch Wilderei ist ihre Zahl drastisch zurückgegangen. Heute schätzt man den Bestand dieser edlen Wildkatze in Nepal nur noch auf etwa 120 bis 250 Tiere.

Entlang dem Ufer vom Rapti Fluss liegen zahlreiche Boote für Kanutouren angetäut. Eine Bootstour führte uns im seichten Gewässer vorbei an Gavialen (zur Familie der Krokodile gehörend), wovon der Gangesgavial der einzig heute noch lebende Gangesgavial ist und nur noch in Nepal und Indien vorkommt. Aber auch normale Krokodile waren in gefährlicher Nähe von unserem Boot, das gelegentlich auch mal leicht schwankte, weil die Mädchen sich fürs Fotografieren in Pose gesetzt hatten … offengestanden war mir beim Anblick dieser Reptilien nicht ganz wohl. Dennoch war die Fahrt interessant und die beiden Mädchen machten sich manchmal über meine Besorgtheit lustig … sie schienen weniger Furcht zu haben als ich.

Am Abend führte uns unser Weg zu einem kulturellen Programm im Sauraha Tharu Culture Center. In warmem Licht und begleitet von rhythmischen Trommelschlägen entfalteten sich die traditionellen Tänze der Tharu, einer der ältesten ethnischen Gruppen Nepals. Wie auch die Newar, Sunwar, Rai und Limbu (Kiranti) gehören sie zu jenen Völkern, die seit frühen Zeiten im heutigen Nepal verwurzelt sind und dessen kulturelle Seele bis heute prägen.

Die Aufführung selbst war schlicht gehalten, doch die Freude der nepalesischen Besucher war unverkennbar, und auch Ghanshyam ebenso wie seine Töchter ließen sich davon anstecken. Beim kraftvollen Tharu-Stabtanz und dem anmutigen, symbolischen Tanz des Pfaus wurde nicht nur zugeschaut, sondern mitgefühlt. Schließlich wich die Zurückhaltung der Begeisterung: Zuschauer wurden zu Teilnehmenden, und die Grenze zwischen Bühne und Publikum löste sich auf.

Tanz des Pfaus im Sauraha Tharu Culture Househttps://youtu.be/1VcXNFKQN4Q

Spät am Abend kehrten wir nach Bajarhatti zurück. Dort erwartete uns bereits die freundliche Haushälterin, und mit ihr der vertraute Duft eines frisch zubereiteten nepalesischen Essens – ein Blattgemüse, das wir in Europa nicht kennen. Es ähnelt vom Aussehen unserem Spinat, stammt aber aus der Familie der Kreuzblütler und hat einen ganz eigenen Geschmack, an den ich mich anfangs erst einmal gewöhnen musste. Aber nach 3 Wochen nepalesischer Kost war es beinahe mein Lieblingsessen geworden.

Autor: Zahra Awada

Reisen bedeutet für mich Freiheit – die Möglichkeit, dem Alltäglichen zu entfliehen, meinen Horizont zu erweitern und mich lebendig zu fühlen. Unterwegs habe ich gelernt, offen für neue Erfahrungen und Begegnungen zu sein. Diese Offenheit hat mir geholfen, mich von Konventionen und Vorurteilen zu lösen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Jede neue Reise erfordert Mut: den Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen, Neues auszuprobieren und mit Menschen in Kontakt zu treten. Gerade darin liegt für mich ihr besonderer Reiz. Die Erinnerungen an meine Reisen sind für mich von unschätzbarem Wert – sie bleiben lebendig und begleiten mich ein Leben lang. Nach vielen Jahren im medizinischen Bereich habe ich meinen Beruf aufgegeben. Seitdem genieße ich die Freiheit, das Leben bewusst zu erleben und die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Dankbarkeit zu betrachten.

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