April 2014
Nachdem ich mich von der Anfahrt nach Dodanduwa erholt und den zweiten Tag einen Strandtag eingelegt hatte, entschied ich mich, mein Vorhaben, alte Bekannte in Kalutara aufzusuchen, wobei ich mir nicht ganz sicher war, ob ich diesen oder jenen noch antreffen würde. . Ursprünglich hatte ich geplant, die rund 90 km Entfernung mit der Bahn zurückzulegen, aber ich hatte nicht mehr in Erinnerung, daß die Expresszüge nur in den frühen Morgenstunden verkehren; da ich aber mein Frühstück nicht in aller Herrgottsfrühe zu mir nehmen wollte, entschied ich mich für die Busfahrt.
Die Fahrt nach Kalutara Nord dauerte gut 90 Minuten; dicht gedrängt saß ich inmitten von Einheimischen, die mich mit ein wenig Neugierde und vielleicht auch einer Portion Erstaunen betrachteten. Glücklicherweise hatte ich einen Sitzplatz ergattern können, denn sonst wäre die Fahrt beschwerlich geworden. In Kalutara Nord angekommen war ich zunächst ein wenig desorientiert; alles sah so ganz anders aus, als wie ich es noch in Erinnerung hatte … was aber auch nicht verwunderlich war, denn es waren mehr als 15 Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal in Kalutara war.
Ich machte mich auf der Suche nach den beiden singhalesischen Bekannten, deren Wohnort ich noch vage in Erinnerung hatte. Ich orientierte mich an dem Tangerine Beach Hotel, in welchem ich mit meinen beiden Kindern erstmalig 1989 Urlaub gemacht hatte.
Tatsächlich traf ich meine Bekannten auch an, Lalith und Rani, eine Nachbarin von ihm-sie waren nicht schlecht erstaunt, als ich so plötzlich vor ihnen stand. Ich hatte nur noch selten mit ihnen Kontakt gehabt, denn Beruf und Familie liessen nicht viel Zeit, Bekanntschaften zu pflegen.
Nach einem intensiven Austausch von Neuigkeiten aus ihrem und dem meinigen Leben bei einer Tasse Tee verabschiedete ich mich mit dem Versprechen, noch einmal vor meiner Abreise vorbeizuschauen. Ich war mir jedoch ziemlich gewiss, dass es ein neuerliches Wiedersehen wohl kaum mehr geben werde. Ich ahnte damals nicht, dass wenige Monate später eine Naturkatastrophe das ganze Dorf fast dem Erdboden gleichmachen sollte – der Tsunami hatte weite Landstriche verwüstet und unbewohnbar gemacht.
Anschließend kehrte ich in dem Restaurant vom Tangerine Beach Hotel ein, in welchem ich vor gut 25 Jahren das erste Mal in Sri Lanka Urlaub gemacht hatte.


Ich genoss eine leckere Mahlzeit in einer herrlichen Umgebung und dachte so im Stillen bei mir, wie glücklich ich mich schätzen kann ob der Möglichkeiten, die sich mir in meinem Leben geboten haben … ganz im Gegensatz zu den Menschen, die ich gerade besucht hatte.

Sie wirkten aber nicht unzufrieden oder unglücklich, sondern ganz im Gegenteil. Mich beeindruckte ihre Fähigkeit, ihr Leben so zu akzeptieren, wie es nun einmal war- sehr einfach und ohne jeden Luxus. Und dennoch strahlten sie Zufriedenheit und eine Art von Unbekümmerheit bzw. Gelassenheit aus, die mich vor Jahren schon beeindruckt und mich zum Nachdenken angeregt hatte.

Die Rückfahrt wollte ich aber unbedingt mit der Bahn machen, was dann fast in einem Abenteuer endete, denn es war mittlerweile dunkel geworden und es gab keine für mich lesbaren Fahrpläne bzw. verständliche Ansagen über die Haltestationen. Ein freundlicher TukTuk Fahrer, der auf Fahrgäste am Bahnhof wartete, fragte mich, wohin ich fahren wolle … er könne mir einen günstigen Preis machen. Leider musste ich ihm absagen, denn ich hatte bereits die Bahnkarte für 120 LKR gekauft, das waren umgerechnet 66 Cent, also nicht der Rede wert, aber ich wollte ja unbedingt mit dem Zug zurückfahren.
Der Zug traf in Kalutara Süd mit einer 45 minütigen Verspätung ein. Ich hatte Sorge, nicht einsteigen zu können … erstens einmal weil der Einstieg sehr hoch war und außerdem drängten sich Hunderte von Einheimischen, die ebenfalls einsteigen wollten und nicht viel von Rücksichtnahme hielten. Der Zug quoll fast über von Berufstätigen, die alle schnell nach einem langen Arbeitstag nach Hause wollten. Ich wurde mit unverhohlener Neugierde betrachtet, aber dies störte mich nicht sonderlich. Ich war eher beunruhigt darüber, wie ich in der Dunkelheit den Bahnhof erkennen sollte, an dem ich aussteigen musste. Schließlich wandte ich mich an meine Sitznachbarn, ein paar junge Singhalesen, von denen ich hoffte, dass sie Englisch sprächen, ob sie mir Bescheid geben könnten, wenn wir in Dodanduwa ankämen. Zuerst schien es mir so, als ob sie mich gar nicht verstanden hätten.
Tatsächlich klappte es dann aber doch mit der Verständigung und gaben mir rechtzeitig Bescheid; ich hatte nun noch einen Fussweg von knapp 2 km bis zu meinem Hotel zurückzulegen. Ein TukTuk in der Dunkelheit zu nehmen, kam für mich nicht in Frage … auf der Straße fühlte ich mich seltsamerweise um einiges sicherer. Es war berichtet worden, dass es nicht so selten vorgekommen war, dass weibliche Fahrgäste bei nächtlichen Tuktuk Fahrten belästigt wurden oder Schlimmeres mit ihnen geschehen war.
Als ich am Hotel ankam, stand der Manager Ananda am Eingang … er hatte offensichtlich schon Ausschau nach mir gehalten, denn es war mittlerweile 21:00 Uhr geworden und er hatte sich wohl schon Gedanken gemacht, weil ich noch nicht zurückgekehrt war. Das ist der Vorteil von einem kleinen, familiär geführten Hotel, wo der Gast nicht nur ein zahlender Kunde ist.
Ich war aber auch ziemlich froh, sicher im Hotel angekommen zu sein. Wenngleich ich mich nicht gefürchtet habe, aber so ganz wohl war mir nicht in der Haut, in der Dunkelheit ein solchen Weg zurückzulegen und ist als Frau in den Abendstunden einem Land wie Sri Lanka aus Sicherheitsgründen eher abzuraten.
Montag, den 28.04.2014
Seit meinem Besuch in Kalutara hatte ich eine Hauteffloreszenz auf meinem Fußrücken bemerkt, die sich rasch zu einer recht großen schmerzhaften Blase mit außerordentlichem Juckreiz entwickelte. Nach ein paar Stunden bildete sich ein geröteter Hof darum, was ich am ehesten mit einem Sandflohbiss in Verbindung brachte. Es war mir noch allzugut in Erinnerung geblieben, daß ich in einem meiner Urlaube von Sandflohbissen übelst zugerichtet worden war. Ich liebte es, die Nachmittagsstunden am Strand zu verbringen und auf den Sonnenuntergang zu warten.
Der Juckreiz wurde allmählich so unerträglich, dass ich mich entschloss, zu einer Apotheke zu gehen, um mir ein Mittel gegen den Juckreiz geben zu lassen. Ich war frühmorgens mit weiteren Stichen bzw. Bissen aufgewacht, wovon einer sogar an meinem Allerwertesten war, was mit einem Mückenstich nicht so recht zu erklären war. Ich hatte die Nacht über, wie die Tage zuvor auch schon unter einem Moskitonetz geschlafen.
Der Apotheker gab mir zu verstehen, dass es sich um “unliebsame Bettgenossen” handeln könnte, und das konnte ja eigentlich nur bedeuten, dass sich am ehesten um Bettwanzen handelte, die sich in mein Bett geschlichen hatten. Mit einer Antihistaminsalbe und Autan sollte ich bald Linderung erfahren, so der Apotheker.
Dem Manager des Hotels berichtete ich von diesen unliebsamen Bettgenossen woraufhin er mir ein anderes Zimmer im Obergeschoss anbot was ich dankend annahm.
Die kommenden Nächte trug ich die Antihistaminsalbe auf die betroffenen Stellen und sprühte mich vorsichtshalber mit Autan ein, in der Hoffnung, dass damit die Plagegeister fernblieben. Ich hatte zwar hier und da schon einmal davon gehörte, dass besonders in Asien Bettwanzen in einfacheren Unterkünften zu erwarten seien, aber ich hatte nicht damit gerechnet, selbst einmal dav0n betroffen zu sein. Glücklicherweise liess nach zwei Tagen der reichlich quälende Juckreiz nach und auch die Bläschen bildeten sich langsam wieder zurück. Ob Autan wirklich geholfen hatte, vermag ich nicht zu sagen, zumindestens hatte es bewirkt, dass ich von Strandflöhbissen verschont worden war, wenn ich am Strand den abendlichen Sonnenuntergang genoss.
