Ankunft in Islamabad

Nach knapp 15 Stunden Flugzeit mit Stopover in Istanbul erreichten wir mit Turkish Airlines den Flughafen in Islamabad. Die Einreiseformalitäten hatten wir schnell und problemlos hinter uns gebracht. Am Flughafen hatten wir jedoch zunächst Schwierigkeiten, den uns von der Reiseagentur zugewiesenen Fahrer samt Fahrzeug ausfindig zu machen.

Reichlich müde und geistig nicht mehr ganz auf der Höhe, waren wir zunehmend verunsichert, ob das Abholen tatsächlich klappen würde. Schließlich gelang es uns nach einigen Telefonaten mit Abdul, dem für uns zuständigen Reiseagenten, mithilfe eines Kofferträgers gegen ein kleines Trinkgeld doch noch, den Fahrer ausfindig zu machen.

03. August 2022

Als wir gegen 6:30 Uhr morgens im Shelton Ambassador Hotel in Islamabad ankamen, teilte uns der Rezeptionist mit, dass kein Zimmer mehr frei sei. Man habe versucht, mich per E-Mail zu kontaktieren, da ich jedoch nicht geantwortet hätte, seien unsere Zimmer inzwischen anderweitig vergeben worden.



Nach einigem Hin und Her, am Ende war ich auch etwas ungehalten geworden, denn ich hatte die Zimmer über das Internet festgebucht, gab es einen Hoffnungsschimmer. Trotzdem mussten wir noch mehrere Stunden in der Lobby warten, bis wir endlich die Zimmer zugewiesen bekamen.

Wir entschieden uns, trotz extremer Übermüdung, nur unser Gepäck auf die Zimmer bringen zu lassen, uns ein wenig frisch zu machen und den restlichen Tag für Besichtigungen in Islamabad zu nutzen.

Zunächst brachte uns der Fahrer zum Pakistan Denkmal. das sich auf den westlichen Hügeln von Shakarparian in Islamabad befindet. Das Monument symbolisiert die Einheit der pakistanischen Provinzen und Kulturen. Die monumentale Architektur besteht aus vier großen blütenförmigen „Blättern“, die die Hauptprovinzen darstellen, sowie kleineren Blättern für die übrigen Regionen. Die Form erinnert an eine sich öffnende Blume und verbindet moderne Architektur mit islamischen Motiven und traditionellen Ornamenten.

Die vier Hauptblätter repräsentieren die vier Provinzen Belutschistan, khyber-Pakhtunwa, Punjab und Sindh und die kleineren Blütenblätter die drei Territorien Gilgit-Baltistan, Azad Jammu & Kaschmir und die Stammesgebieter.

Pakistan wurde am 14. August 1947 durch die Teilung Britisch-Indiens gegründet. Ziel war die Schaffung eines eigenen Staates für die Muslime des indischen Subkontinents, angeführt von Muhammad Ali Jinnah und der Muslim League. Die Teilung führte zur Entstehung von Pakistan und Indien sowie zu großen Migrationen und Konflikten zwischen Hindus und Muslimen

Die Faisal Moschee, unser nächstes Ziel, zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken Pakistans und liegt malerisch am Fuß der Margalla Hills. Mit ihrer außergewöhnlichen, zeltförmigen Architektur hebt sie sich deutlich von klassischen Moscheen ab und vermittelt eine ruhige, fast majestätische Atmosphäre.

Sie hat keine Kuppel, keine traditionelle Silhouette. Stattdessen vier schlanke Minarette, die in den Himmel stechen, und dieses zeltartige Dach – als hätte jemand ein riesiges Beduinenzelt aus weißem Marmor gegossen und mitten in die Stadt gestellt. Der türkische Architekt Vedat Dalokay hat genau das gewollt: eine Moschee, die aussieht wie ein Zelt, eingebettet in die Ausläufer der Margalla-Hügel.

Innen dann der Gegensatz: ruhig, fast meditativ. Persische Teppiche, Kalligraphien an den Wänden, Licht, das durch Glasfenster fällt. Die Beleuchtung in der Mitte – eine riesige Kugel aus goldeloxierten Aluminiumrohren, umgeben von einem Ring aus Leuchten, verbunden durch Vorhänge aus goldenen Zierketten. Das klingt merkwürdig, wirkt aber seltsam stimmig.

Der Komplex liegt im Nordwesten Islamabads, direkt vor den Margalla-Hügeln – die Berge im Rücken, die Stadt zu Füßen. Man steht davor und versteht sofort, warum König Faisal genau diesen Platz ausgewählt hat. Die Moschee wurde in den 1970er Jahren maßgeblich vom saudischen König Faisal ibn Abd al-Aziz finanziert. Als Staatsgeschenk Saudi-Arabiens kostete der Bau damals rund 120 Millionen US-Dollar und sollte die enge Verbundenheit zwischen Pakistan und der arabischen Welt symbolisieren

Draußen, auf dem weitläufigen Vorplatz, das bunte Treiben: Familien mit Kindern, Jugendliche, die Fotos machen, ein paar Touristen wie wir.

Was ich vorher nicht wusste: Auch in einer Moschee sollte man aufpassen.

Zwei Frauen mit Kindern kamen auf mich zu – freundlich, neugierig, aufgeschlossen. Bevor ich richtig begriffen hatte, was passierte, hatte mich eine von ihnen fest umarmt. Zu fest, ehrlich gesagt. Mir war das sofort unangenehm, ich wusste aber nicht, wie ich reagieren sollte – fremdes Land, fremde Situation, nicht unhöflich wirken wollen.

Als sie weg waren, griff ich in meine Tasche. Die kleine Kamera war weg.

Klassischer Taschendiebstahl, perfekt koordiniert. Die Kinder als Ablenkung, die Umarmung als Deckmantel. Ich war wütend – auf mich selbst, nicht auf Pakistan. Ich hatte die Situation falsch eingeschätzt, das war mein Fehler.

Ich liess mir aber durch diesen Vorfall meine gute Laune nicht verderben, denn erstens hatte ich mir eigens für diese Reise noch ein Tablet zusätzlich angeschafft und ausserdem waren da ja auch meineFreunde, die für mich fleißig mitfotografieren sollten.

Den abendlichen Ausflug beendeten wir mit einem Besuch des Monal Restaurants, dem Ausflugsziel schlechthin. Hier, auf den Margalla Hills, oberhalb von Islamabad verbrachten wir einen entspannten Abend mit Blick über die weitläufige Stadt. Besonders beeindruckend war die Lage des Restaurants, da wir beí Einbruch der Dämmerung eine phantastische Sicht auf die Stadt hatten , die in unzähligen Lichtern erstrahlte.

Vor allem am Abend kommen viele Menschen hierher, nicht nur wegen des Essens, sondern vor allem wegen des beeindruckenden Blicks über die Stadt. Trotz des regen Betriebs wirkte die Atmosphäre angenehm entspannt, und gerade mit den langsam aufleuchtenden Lichtern Islambads hatte sich dieser Ausflug hierher wirklich gelohnt und entschädigte uns für die Anstrengungen, die wir hinter uns hatten.