Erste Erkundungen in Delhi
08. April 2014
Die Reiseagentur hatte sorgfältigst ein Besichtigungsprogramm ausgewählt, das die wichtigsten Monumente in Delhi, Agra und Jaipur umfasste.
Pünktlich um 8:30 Uhr holte mich der Reiseleiter vom Hotel ab und wir begannen die Stadtbesichtigung durch Alt-Delhi. Erster Halt war das Raj Ghat Memorial, das dem Vater der Nation, Mahatma Gandhi, gewidmet ist. Sie liegt in der Nähe des Yamuna-Flusses- es ist der Ort, an dem Gandhi im Januar 1948 eingeäschert wurde.



Die Schlichtheit des Denkmals, eine schwarze Marmorplatte, auf welcher eine ewige Flamme brennt, soll die Einfachheit des Lebens von Mahatma widerspiegeln, der gegen eine Teilung Indiens gekämpft und sich für ein Miteinander aller Religionen eingesetzt hatte.
Weil er sich auch für die Rechte der Muslime stark machte, wurde er von militanten Hindus als Verräter bezeichnet und am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu erschossen.
Mit einer Fahrradrikscha ging es weiter zur Jama Masjid, der Freitagsmoschee, die sich in der Nähe des Chandni Chowk befindet, einer lebhaften Gegend in Alt-Delhi. Die Moschee aus weißem Marmor und rotem Sandstein wurde zwischen 1644 und 1658 von Shah Jahan, dem 5.ten Mogulkaiser, gebaut und ist die größte Moschee Indiens.
Der riesige Innenhof der Moschee bietet Platz für bis zu 25.ooo Besucher. Die Fassade ist zum Teil mit weißem Marmor verkleidet, in welchem persische Inschriften eingelassen sind. Ebenso bestehen die 3 Zwiebelkuppeln aus weissem Marmor mit schwarzen senkrecht eingelassenen Marmorstreifen.
Humayoun Mausoleum
Als nächstes war der Besuch des Humayoun Mausoleum Komplexes angesagt, einer interessanten Kombination aus persischer, türkischer und indischer Architektur.

Humayun ´s Grabstätte wird als “Schlafsaal der Moguln” bezeichnet, da in den Zellen über 150 Mitglieder der Mogulfamilie begraben sind.
Das 10 Hektar große Grundstück, auf dem das Gebäude steht, ist eines der ersten, das auf der Grundlage der Beschreibung eines islamischen Char Bagh („Paradiesgarten“) angelegt wurde. Der Garten ist über Dammwege und Wasserkanäle in vier große Plätze unterteilt. Jedes der vier Quadrate ist in gleicher Weise weiter unterteilt, so dass das Ganze in 36 kleinere Quadrate unterteilt ist. Das Grab nimmt die vier zentralen Plätze ein.
Der persische Einfluss ist in den gewölbten Nischen, in den Korridoren und in der hohen Doppelkuppel zu sehen, während die indischen Traditionen die Schaffung der Kioske (eine Art Pavillion) inspiriert haben, die ihm aus der Ferne einen pyramidenförmigen Umriss verleihen.
Humāyūns Grab wurde 1569 nach dem Tod des Mogulkaisers Humāyūn im Jahr 1556 von seiner persischen Königin Ḥamīdah Bānū Begam in Auftrag gegeben. Die Anlage ist das erste Gartengrabmal auf dem indischen Subkontinent und gilt als Vorläufer des Taj Mahal.
Qutb Minar Komplex
Nur 15 km entfernt von Delhi liegt der Qutb-Minar-Komplex, ein weiteres Beispiel für die grossartige architektonische Leistung aus der Zeit der Mogulherrschaft.
i Alle Bauten in dieser Anlage stammen aus der Anfangszeit der muslimischen Herrschaft über Indien und sind sehr gute Beispiele u.a. für afghanischer Architektur. Die Quwwat-Ul-Islam-Moschee, von der jetzt nur noch Reste zu sehen sind, wurde aus noch vorhandenen Ruinen von mehr als zwanzig Jain-Tempeln gebaut, die dort vorher standen.
Geometrische Muster und kalligraphische Inschriften (Koranverse und Lobpreisungen) verzieren das Äußere des 72,5 m hohen Turmes, der mit einem Durchmesser von 14,32 m an der Basis und ca. 2,75 m an der Spitze schon von weitem zu sehen ist. Früher konnten einige der Balkone, von denen aus zum Gebet gerufen wurde, über eine Wendeltreppe erreicht werden. Aus Sicherheits-gründen ist dies jedoch seit vielen Jahren nicht mehr möglich.

Der Qutab Minar selbst ist eine Siegessäule, mit deren Bau sofort nach Unterwerfung des letzten Hindu-Königreiches von Delhi im Jahr 1193 begonnen wurde. Stolz ragt dieser Turm aus rotem Sandstein in die Höhe, mit weissem Marmor verkleidet und mit aufwendigen Schnitzereien und Inschriften versehen, symbolisiert er die zahlreichen Eroberungen und die Gründung des Sultanats von Delhi
Wie alle Minarette bot der Qutb Minar hohe Turm mehrere Plattformen für Gebetsrufe durch den Muezzin. Der Turm symbolisierte den Sieg und repräsentierte die Macht der neuen Dynastie – einer Sklavendynastie.
Sie wurde begründet durch Qutb-ud-Din-Aibak, einem Sklaven aus Turkistan, der im Dienste von Mohammed von Ghur (Eroberer der nordindischen Ebene) stand und wesentlichen Anteil an der Eroberung Nordindiens hatte.
Geschichte der Sklavendynastie (1206 – 1290)
Mohammed von Ghur, persischer Herkunft, auch als Shihāb al-Dīn Muḥammad Ghūrī bekannt, eroberte die nordindischen Ebene; er war einer der Begründer der muslimischen Herrschaft in Indien. Zusammen mit seinem älteren Bruder Ghiyath al-Din Muhammad (ca. 1139-1202 n. Chr.) regierte er ein weites Gebiet, das Teile des heutigen Afghanistan, Pakistan, Indien, Iran, Bangladesch, Turkmenistan und Tadschikistan umfasste (Ghuridenreich).
1206 wurde Qutb-ud-Din-Aibak, in jungen Jahren als Sklave verkauft und gelangte in den Besitz von Mohammed von Ghur. Dieser nahm ihn als Schutzbefohlenen bei sich auf und ernannte ihn zum Stallmeister. Mohammed, der kinderlos geblieben war, berief ihn später zu seinem Stellvertreter . Nach der Ermordung von Mohammed von Ghur löste sich Qutb-ud-Din-Aibak zusammen mit anderen Heerführern von den Ghuriden (iranische Dynastie in der Region Ghur/Afghanistan) und legte den Grundstein für das spätere Sultanat von Delhi.
Gurudwara Bangla Sahib Tempel
Nach der Besichtigung des Qutb Minars ging es weiter zu einem schönen Sikh Tempel, dem Gurudwara Bangla Sahib, der für jeden Besucher, gleich welcher Religionszugehörigkeit, offensteht.
Die Sikh-Religion ist eine im 15. Jahrhundert n. Chr. entstandene monotheistische Religion, die ca. 25 Millionen Anhänger hat. Der Gurudwara Bangla Sahib ist einer der bedeutendsten Sikh-Tempel in Neu-Delhi. Er wurde an der Stelle eines ehemaligen Palastes aus dem 17. Jahrhundert errichtet und ist eng mit dem achten Sikh-Guru, Har Krishan, verbunden. Charakteristisch sind seine goldene Kuppel und der heilige Wasserteich (Sarovar), der als spirituell bedeutsam gilt.
Der Tempel ist für alle Menschen offen und bekannt für seine kostenlose Gemeinschaftsküche („Langar“), in der täglich tausende Besucher unabhängig von Religion oder Herkunft versorgt werden Die Großküche bietet kostenlos Essen an, dass von freiwilligen Helfern aus der Sikh-Gemeinde gespendet und täglich frisch zubereitet wird.



Ein langer Tag ging zu Ende – ich war überwältigt von den vielen neuen Eindrücken, Informationen und und historischen Hintergründen, die ich nun versuchte, einzuordnen. Ich bekam eine Vorahnung, dass der nächste Tag noch viel mehr Interessantes zu bieten haben wird … eine Reise in die Zeit der Mogulherrschaft über Indien.