Grandiose Architektur und Zeitgeschichte in Nordindien
09.April 2014
Nach einem typisch indischen Frühstück ,Masala Omelett und leckerem indischen Chai war ich bereit für die Fahrt nach Agra. Harenda, mein Reisebegleiter und der Fahrer Karam standen schon an der Rezeption und gaben mir zu verstehen, dass wir uns auf den Weg machen sollten, denn es waren gut 200 Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel, Agra. In etwas mehr als vier Stunden erreichten wir dank dem größten-teils gut ausgebauten Yamuna Expressway das Hotel am frühen Nachmittag.
Ich erledigte schnell den Check-In im Grand Imperial Hotel, einem imposanten Hotel mitten in Agra gelegen, denn Harendra hatte vor, mit mir einige der Sehenswürdigkeiten in Agra zu erkunden.
Agra, eine faszinierende Stadt im Herzen Indiens, ist weltberühmt für das atemberaubend schöne Taj Mahal . das als eines von sieben Weltwunder gesehen wird. Neben diesem architektonischen Meisterwerk hat Agra eine reiche Geschichte anzubieten, die sich in den prächtigen Mughal-Palästen widerspiegelt und einen Einblick gewährt in die indische Kultur und Tradition.
Rotes Fort Agra
Als erstes besichtigte ich das Rote Fort in Agra, das am Ufer des Yamuna liegt. Die Anlage ist ein bedeutendes Beispiel für die Architektur der Moguln. Die Festungsmauern aus rotem Sandstein erstrecken sich über etwa 2,5 Kilometer und umschließen einen weitläufigen Komplex mit Palästen, Gärten und Moscheen. Der Zugang erfolgt unter anderem durch das Lahori-Tor, einen der Hauptzugänge zur Anlage.
Das Fort, auch bekannt als Lal Qila, war eine der wichtigsten und sichersten Hochburgen der Moguln. Als Förderer von Kunst und Architektur lud der Großmogul Akbar Handwerker aus Gujarat und Bengalen ein, um dieses riesige Projekt durchzuführen. Knapp 3000 Arbeiter, Steinmetze und Bauherren arbeiteten 8 Jahre lang an der Erbauung von Moscheen, Palästen und Wohnräumen , Pavillons, Gärten und Hammams.
Jeder Winkel erzählt eine Geschichte – vom kunstvoll verzierten Diwan-i-Aam, wo öffentliche Audienzen abgehalten wurden, bis hin zu den eleganten Privatgemächern von Shah Jahan. Das Zusammenspiel von persischem, timuridischem und indischem Design schafft eine einzigartige, königliche Atmosphäre, die alle in ihren Bann zieht, die durch die Innenhöfe schlendern. Wenn die Sonne hinter den hoch aufragenden Festungsmauern untergeht, erinnert die majestätische Silhouette des Roten Forts an Indiens glorreiche Vergangenheit und sein beständiges kulturelles Erbe.
Itimad-ud-Daulah Mausoleum

Die Grabstätte gilt als eines der elegantesten Bauwerke der Mogulzeit und wird oft liebevoll als „Baby Taj“ und zu Recht auch als “Marmorkiste mit Juwelen” bezeichnet. Das Mausoleum ist nicht nur ein beeindruckendes architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Symbol für den Beginn der klassischen Mughal-Architektur, die ihren Höhepunkt im Taj Mahal fand.
Errichtet wurde es zwischen 1622 und 1628 von Nur Jahan für ihren Vater Mirza Ghiyas Beg, der als hoher Beamter am Hof des Mogulkaisers Jahangir diente und den Ehrentitel „Itimad-ud-Daulah“ („Stütze des Staates“) trug.
Nur Jahan, ihr ursprünglicher Name war Mehr un Nissa, war in Afghanistan in eine aus Persien stammende Adelsfamilie geboren und vom Großmogul Jahangir geehelicht worden. Nur Jahan, was “Licht der Welt” bedeutet, war die Lieblingsfrau des Großmogul. Sie hielt eine besondere Stellung inne im Palast unter den anderen Ehefrauen von Jahangir und übernahm weitestgehend die Regierungsgeschäfte von Jahangir wegen dessen Drogen-und Alkoholabhängigkeit.
Jahangir, der 4. Großmogul, war als ältester überlebender Sohn Akbars bereits in jungen Jahren für die Thronnachfolge ausgebildet worden und hatte in frühen Jahren gegen seinen Vater, der über den Alkohol- und Opiumkonsum seines Sohnes nicht erfreut war, revoltiert, allerdings noch ohne Erfolg. Als sich die Beziehungen zwischen ihm und seinem Vater zusehend verschlechterten, soll er ihn, so vermuten einige Historiker, letztendlich vergiftet haben.

Der Zugang zum Grabkomplex erfolgt durch ein Tor aus rotem Sandstein. Zu diesem ummauerten Komplex führen vier Sandsteintore, jeweils eines in der Mitte jeder Mauer. Jede Mauer ist mit Intarsien verziert, wobei das Haupttor und das zur Yamuna hin gelegene Tor die aufwendigsten Verzierungen aufweisen



Die Innenwände des Itimad-ud-Daulah Mausoleum schmücken Intarsien und Malereien, die zu den frühesten Beispielen der später am Taj Mahal perfektionierten Dekorationstechnik zählen.
Auffällig sind die fein gearbeiteten Einlegearbeiten aus verschiedenfarbigen Steinen, die florale Motive, Vasen und stilisierte Pflanzen darstellen. Diese sogenannten Pietra-dura-Intarsien sind präzise in den hellen Marmor eingelassen und erzeugen durch ihre Detailgenauigkeit eine fast malerische Wirkung.

Umgeben ist das Mausoleum von einem symmetrischen Garten im persischen Charbagh-Stil, der die Vorstellung eines paradiesischen Gartens widerspiegelt.
Der Begriff „Charbagh“ bedeutet wörtlich „vier Gärten“ und bezieht sich auf das charakteristische Design, bei dem der Garten in vier gleichmäßige Teile (Quadranten) unterteilt wird. Diese Aufteilung symbolisiert das Paradies, das in der islamischen Kultur als ein Garten voller Leben und Fruchtbarkeit dargestellt wird.





