Taj Mahal – Symbol der ewigen Liebe

Das Mogulreich bestand von 1526 bis 1858 auf dem indischen Subkontinent. Sein Kerngebiet lag in der nordindischen Indus-Ganges-Ebene und umfasste unter anderem die Städte Delhi, Agra und Lahore sowie Teile des heutigen Afghanistan. Gegründet wurde das Reich von Babur nach seinem Sieg in der Erste Schlacht von Panipat. Unter Herrschern wie Akbar, Jahangir und Shah Jahan erreichte das Reich im 16. und 17. Jahrhundert seine größte Ausdehnung und politische Stabilität. In dieser Zeit entstanden zahlreiche bedeutende Bauwerke, darunter auch das Taj Mahal. Im 18. Jahrhundert begann der politische Niedergang, bevor das Reich 1858 unter britischer Herrschaft endgültig aufgelöst wurde.

Shah Jahan ist der 5. Mogulkaiser nach Bâbur (1), Humâyûn (2), Akbar (3) und Jahângîr (4), seinem Vater. Seine Mutter war Prinzessin Nûr Jahân, eine kluge, gebildete Frau persischer Herkunft, die in den letzten Jahren der Regierungszeit von Jahângîr die Macht über ihren Ehemann und den Thron übernommen hatte, als dieser der Opiumsucht und dem Alkohol verfallen war.

Schon in jungen Jahren widmete sich der halbwüchsige Prinz Khurram, Shah Jahans früherer Name, einer Vielzahl von Disziplinen und spezialisierte sich insbesondere auf die Kampfkunst. Aber auch für Architektur zeigte er ein ausserordentliches Interesse und so entwickelte sich unter seiner Schirmherrschaft ein ganz besonderer indischer Baustil, dessen Krönung das prächtige Mausoleum in Agra, das Taj Mahal war.

Weitere Wahrzeichen dieses Baustils sind mehrere Moscheen wie die Freitagsmoschee in Agra und in Delhi, sowie die Perlmoschee und der riesige Festungspalast , das Rote Fort in seiner zweiten Hauptstadt, Delhi.

Im Alter von 25 Jahren übernahm der Prinz die Führung einer strategisch wichtigen Armee und eroberte den südlicher Teil des indischen Subkontinents. Dies war ein Sieg, der es seinem Vater, Shah Jahangir, ermöglichte, das Territorium an der südlichen Grenze des Reiches zu erweitern. Sein Vater belohnte ihn mit dem Titel “Bahadur Shah Jahan”, was zeigen sollte, dass er ihn als Favorit für den Thron vorgesehen hatte. (Schāh-i Dschahān (persisch ‚König der Welt‘).

Shah Jahan besaß die königliche Schatzkammer und unzählige Edelsteine​, unter anderem den Koh-I- Noor, einen 110 karätigen Diamanten, der als einer der größten Diamanten der Welt gilt und heute zu den Kronjuwelen des britischen Königshauses zählt. Der Reichtum war zu Zeiten der Herrschaft Shah Jahans unermesslich groß und machte rund 23% des weltweiten BIP aus. 1648 verlegte er aus strategischen Gründen seine Hauptstadt von Agra nach Delhi und gründete dort die neue Stadt Shāhjahānābād , das heutige Alt-Delhi.

Er war im Großen und Ganzen ein toleranter und aufgeklärter Herrscher, der Gelehrte und Dichter des Sanskrit und Hindi sowie des Persischen besonders förderte. Er systematisierte die Verwaltung, erhöhte aber gleichzeitig den Anspruch der Regierung an den Erträgen des Bodens und vermehrte auf diese Weise seinen ohnehin schon unermesslichen Reichtum. Er liebte Pomp und Pracht, beauftragte den Bau des berühmten Pfauenthrons und errichtete viele elegante Gebäude, wozu auch das Taj Mahal , das Grab für seine Königin Mumtāz Maḥal gehörte.

Symbol der ewigen Liebe

Das Taj Mahal steht beispielhaft für den größten Liebesbeweis eines Mannes, der dafür sorgte, dass die Erinnerung an seine große Liebe niemals verblasste. Im Alter von 14 Jahren lernte er Arjumand Bano Begum (Nichte von Nur Jahan) kennen und verliebte sich unsterblich in sie, aber erst fünf Jahre später konnte er sie ehelichen. Sie war eine muslimisch-persische Prinzessin und er der Sohn des Mogulkaisers Jahangir und Enkel von Großmogul Akbar .

Mumtaz Mahal, was in Urdu “Exzellenz des Palastes” bedeutet, war Shah Jahans zweite Frau und starb bei der Geburt ihres 14. Kindes, als sie Shah Jahan auf einem Kriegszug im Dekkan begleitete.

Das Taj Mahal in Agra wirkt auf den ersten Blick fast unwirklich – weniger wegen übertriebener Pracht, sondern wegen seiner klaren, ausgewogenen Gestaltung. Das weiße Marmorgebäude steht leicht erhöht am Ufer des Yamuna-Flusses und wird von vier schlanken Minaretten eingerahmt.

Die Anlage ist symmetrisch angelegt, mit einem langen Wasserbecken im Garten, das die Kuppel spiegelt. Wenn man sich dem Bauwerk nähert, fallen die feinen Details auf – eingelassene Edelsteine, florale Muster und präzise Kalligrafie.

Shah Jahan war beseelt von dem Gedanken, König Salomon nachzueifern, der in den heiligen Schriften des Islam und des Judentums als einer der weisesten Könige aller Zeiten erwähnt wird. Menschen kamen aus fernen Ländern, um seinen weisen Predigten und Urteilen zu lauschen.

Mit großer Weisheit geht großer Wohlstand einher – das ist die Lehre aus König Salomos Leben. Doch Weisheit war nicht das, was Shah Jahan wollte. Vielmehr versuchte Shah Jahan, sich selbst als einen König neu zu erfinden, der reicher war als Salomo. Er wollte der Mogulkaiser sein, der seinem Reich Wohlstand brachte. Bevor er zu regieren begann, bemühte er sich, sich nach dem Vorbild König Salomos zu formen.

Unter seiner Herrnschaft erreichte das Mogulreich den Höhepunkt seiner kulturellen Pracht. Am Ende des 17. Jahrhunderts, umfasste das Mogulreich fast den gesamten Subkontinent und Teile des heutigen Afghanistans. Shah Jahān starb am 1. Februar 1666 als Gefangener seines eigenen Sohnes Aurangzeb, der sich nach einem längeren Bruderstreit um die Erbfolge 1658 zum Kaiser ernannte.