Jaipur – Die rosarote Stadt

Paläste und Festungen

11.0April 2014

Unser heutiges Ziel war Jaipur, eine Stadt inmitten dem Bundesstaat Rajasthan, das nur knapp  5 Stunden westlich von Agra liegt. Dörfer und  gutbestellte Felder säumten den ganzen Weg nach Jaipur entlang der Autobahn, streckenweise unterbrochen von unzähligen Ziegelfabriken sowie vereinzelt stehenden Bauernhöfen.

Ich war im Lemon Tree Hotel untergebracht, einem 4 Sterne Hotel unweit vom Naharghar Fort, dessen Besichtigung neben dem Amer Fort, Jantar Manta und Stadtpalast sowie dem Palast der Winde für den nächsten Tag auf dem Plan stand.

Der indische Bundesstaat Rajasthan ist berühmt für seine Festungen und Paläste und entstand durch die Vereinigung vieler Fürstenstaaten, die hauptsächlich von Rajputen,einem kriegerischen Stamm aus der Kaste der kshatriya, regiert wurden.

Nahargarh Fort und Amber Fort

Das auf einem Felsrücken errichtete Nahargarh Fort diente als eine Art Wachturm für Jaipur und bildete zusammen mit den beiden anderen Forts , dem Amber Fort und Jaigarh Fort, eine starke Verteidigung für die Stadt Jaipur. Dieses Fort wurde 1734 von Maharaja Sawai Jai Singh II erbaut und hieß ursprünglich Sudarshangarh Fort. Später erhielt es den Namen, Nahargarh, was “Wohnsitz der Tiger” bedeutet.

Die Festung befindet sich in einer der ältesten Bergketten der Welt, den Aravalli Hills, und bietet einen atemberaubenden Blick auf die malerische Umgebung.

Das nostalgisch anmutende Amber Fort ist eines der bekanntesten und meistbesuchten Forts in Indien und zählt wohl auch zu den am schönsten in der ganzen Welt. Amber ist vollständig von Hügeln umgeben und liegt am Fuße einer felsigen Schlucht.

Amber wurde im 12. Jahrhundert zur Hauptstadt der Kriegerherrscher der historischen Region Rajputana gemacht und war 600 Jahre lang ein politisches Zentrum.

Maharaja Man Singh I., der die Armee des Mogulherrschers Akbar anführte, begann 1592 mit dem Bau auf den Überreste einer Festung, die ursprünglich im 10. Jhdt. erbaut und  von Raja Man Singh und Raja Jai ​​Singh zu einer großen Festung umgebaut wurde.

Ein besonderes „Schmuckstück“ des Palastes ist der Spiegelsaal (Sheesh Mahal). Der aus edlem weißem Marmor gefertigte Raum beeindruckt durch seine kunstvoll gestaltete Innenausstattung: Unzählige kleine Spiegel sind in filigrane Stuckarbeiten eingelassen und bedecken Wände und Decken wie ein funkelndes Mosaik. Zarte florale Ornamente ziehen sich in harmonischen Mustern entlang der Flächen und verleihen dem Raum eine ganz eigene Eleganz.

Das Besondere an diesem Saal zeigt sich jedoch erst im Spiel des Lichts: Schon das schwache Flackern einer einzelnen Kerze genügt, um die Spiegel in tausendfacher Reflexion erstrahlen zu lassen und den Raum in ein glitzerndes Lichtermeer zu verwandeln.Wie kaum ein anderes Gebäude im Fort Amber verbindet sich im Spiegelpalast hinduistische und muslimische Baukunst zu einer harmonischen Einheit.

Anscheinend wurde dieses Zimmer vom Maharadscha gemacht, damit die Maharani (Königin) nachts die Sterne sehen konnte, da sie nicht im Freien schlafen durfte. Wenn Kerzen nachts angezündet werden, scheint der Raum Tausende von Sternen von den Wänden und der Decke zu reflektieren.

In den Farben Honig und Rosenstein, weißem Marmor und vergoldetem Dekor ist Amber Fort eher ein Palast als eine Festung.. Durch die Fenster und von den Balkonen hat man bei gutem Wetter sowohl einen tollen Ausblick auf die Stadt Amber, deren Festungsmauern und auf das Aravalli-Gebirge.

Hawa Mahal oder der Palast der Winde

Jaipur oder Pink City, wie Jaipur auch liebevoll genannt wird, beherbergt einige der reich verziertesten königlichen Paläste des Landes. Ein romantischer staubiger rosa Farbton ziert die Stadt seit 1876, nachdem sie rosa gestrichen wurde, um Königin Victorias Ehemann, Prinz Albert, willkommen zu heißen. Die prägenden Gebäude der Stadt wurden in einem Rajasthani-Baustil geschaffen, der Hindu-Rajput-Bautechniken mit der bemerkenswerten Symmetrie des Mughal-Stils verbindet.

Zur Zeit der Herrschaft von Maharaja Sawai Ram Singh, einem der reichsten und mächtigsten Männer des Landes, spiegelte sich dessen wahre Macht in dem von ihm verabschiedeten Gesetz wider, die rosa Farbe für zukünftige Gebäude in der Stadt beizubehalten. Das Gesetz wurde 1877 verabschiedet, weil der Legende nach die Königin von Jaipur die Farbe Terrakotta-Rosa so sehr mochte.

Ganz aus rotem und rosa Sandstein erbaut und wunderbar verziert, ist der fünfstöckige Palast der Winde ( Hawa Mahal). Er wurde 1799 als Erweiterung des königlichen Stadtpalastes von Jaipur erbaut und ist wohl das meist-fotografierte Gebäude Indiens.

Seinen Namen „Palast der Winde” erhielt der Palast von der speziellen Bauweise, die eine permanente Luftzirkulation und somit immer eine frische Brise im Inneren ermöglicht. Der Bau des Palastes mit seinen 953 Fenstern wurde vom Maharaja Pratap Singh veranlasst, in dem seine Frauen leben und am alltäglichen Geschehen der Stadt Jaipur teilhaben konnten. ohne dass sie von draußen gesehen werden konnten.

Kunstvolle Ornamente und Muster aus schneeweißem Branntkalk verzieren die äußere Fassade. Seine wabenartigen Fenster, welche die Form eines halben Achtecks aufweisen, und die vielen Erker verleihen ihm das Aussehen eines überdimensional großen Fächers aus Stein.

Das Jantar Mantar, ein Observatorium, findet sich ganz in der Nähe vom Palast der Winde und dem Stadtpalast. Es ist eine Sammlung von 19 astronomischen Instrumenten, die vom Rajput-König Sawai Jai Singh II, dem Gründer von Jaipur, Rajasthan, im frühen 18. Jhdt. gebaut wurden.

Das Observatorium verfügt über die größte Steinsonnenuhr der Welt; die verschiedenen Instrumente ermöglichen die Beobachtung astronomischer Positionen mit bloßem Auge.

Der Stadtpalast von Jaipur ist bekannt für die königliche Residenz ehemaliger Herrscher, ursprünglich von Maharaja Sawai Jai ​​Singh II. aus der Kuchhwaha-Linie der Rajputen erbaut, in welchem auch heute noch Angehörige der königlichen Familie leben.

In das Innere des Stadtpalastes gelangt man über das Virendra Tor, in dessen ersten Innenhof sich das Mubarak Mahal befindet, welches Ende des 19. Jahrhunderts von Maharaja Madho Singh II erbaut wurde. Mubarak Mahal (Willkommenspalast) umfasst heute die Textilabteilung des Maharaja Sawai Man Singh II Museums.

Rajendra Pol

Über Rajendra Pol, welches beiderseits flankiert wird von aus einem einzigen Stück Marmor gehauenen Elefanten, erreicht man den 2. Innenhof, in welchem sich die private Audienzhalle (Diwan-i-Khas) befindet.

Diwan-i-Khas, private Empfangshalle

Es ist ein offener Pavillion mit einer doppelten Säulenreihe, deren Eingang zwei 1,6 Meter hohe Urnen aus Sterlingssilber ( Fassungsvermögen von jeweils 4091 Litern und einem Gewicht von 345 Kilogramm) schmücken. Sie sind die größten Silberurnen der Welt, die Ganga-Jalis. Maharaja Sawai Madho Singh II nahm sie 1902 befüllt mit Wasser aus dem Ganges mit nach England, um seine rituelle Reinheit zu bewahren, während er über die Meere reiste, um an der Krönung von König-Edward VII von Großbritannien teilnehmen zu können..

Von hier aus gelangt man in den nordwestlich des Diwan-i-Khas gelegenen dritten Innenhof, Pritam Niwas Chowk. Hier gibt es vier kleine Tore, die als Riddhi Siddhi Pol bekannt sind (Riddhi und Siddhi sind Gemahlinnen von dem Elefantengott Ganesha). Es hat vier kleinere Tore, die jeweils rund um die vier Jahreszeiten thematisiert und einem bestimmten hinduistischen Gott gewidmet sind. In der Mitte über jedem der Tor befinden sich Miniaturreliefs aus Marmor, die den Gottheiten Vishnu, Shiva, Devi und Ganesh gewidmet sind.

Das Pfauentor – ist eines der berühmtesten und am meisten bewunderten Tore von allen. Dieses Tor ist Lord Vishnu gewidmet und symbolisiert die Herbstsaison. Die geschnitzten Pfauen umgeben die Statue Gottes und sind mit farbenfrohen Gemälden verziert.

Rosentor – das wiederholte Blütenblattmuster repräsentiert die Wintersaison und ist der Göttin Devi gewidmet. Das Rosentor ist wunderschön gestaltet und mit Rosenblättern bemalt, die so wie im Lotustor die Gottesstatue Devis zeigen und ein Sonnenmotiv umgeben.

Lehariya Tor – wunderschön leuchtend in grünen Farben, repräsentiert sich das Grün der Frühlingssaison. Dieses Tor zeigt den Beginn des Frühlings an und ist Lord Ganesha gewidmet. Lehariya bedeutet Wellen, die das Wasser als weiteres wichtiges Element darstellen, so erhielt es seinen Namen. Ganesha, der Elefantengott über den Eingang, ist umgeben von den Motiven der Wellen.

Das Lotustor – ist Lord Shiva und seiner Gemahlin Parvati gewidmet. Direkt über dem Eingang ist die Statue des Gottes Shiva und ein Sonnenmotiv zu sehen. Die Sonne, als zentrale Gestirn am Himmel, von der alles Leben auf der Erde abhängt, dies war den Menschen seit Alters her bewusst, wird von vielen früheren Kulturen als Gottheit verehrt.